Panik im Gazastreifen

Politik / 29.07.2014 • 20:59 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Ebenfalls zerstört: Einziges Kraftwerk im Gazastreifen. Foto: RTS
Ebenfalls zerstört: Einziges Kraftwerk im Gazastreifen. Foto: RTS

Nahost-Konflikt: Auch in Tel Aviv gab es erstmals mitten in der Nacht Luftalarm.

Kairo. Nach der schlimmsten Bombennacht seit Beginn der israelischen Militäroffensive im Gazastreifen macht sich zunehmend Panik und Verzweiflung in der Enklave breit. Gestern wurde auch noch das einzige Kraftwerk von Granaten in Brand gesetzt. Palästinenser und Israelis bezichtigten sich gegenseitig, die Geschosse abgefeuert zu haben. Allein seit Montagabend wurden mehr als 100 Menschen getötet.

In der israelischen Mittelmeer-Metropole Tel Aviv wurden die Menschen erstmals auch mitten in der Nacht von Luftalarm aus den Betten geholt. Zwei Raketen aus dem Gazastreifen seien nahe Rischon Lezion südöstlich von Tel Aviv eingeschlagen, teilte die Armee mit.

Ein Ende der Gewalt war unterdessen auch drei Wochen nach Beginn der Kämpfe nicht in Sicht. Die radikal-islamische Hamas dementierte eine Mitteilung des PLO-Funktionärs Jasser Abed Rabbo, wonach die militanten Palästinenser-Fraktionen in Gaza einer 72-stündigen Waffenruhe zugestimmt hätten. Das sei erst denkbar, wenn sich auch Israel dazu verpflichte und es internationale Garantien gebe, sagte Hamas-Sprecher Sami Abu Zuhri in Gaza.

Nacht voller Horror und Angst

In der Nacht hatten schwere Bombardements den Gazastreifen erschüttert. Palästinensische Augenzeugen berichteten, das Militär habe aus der Luft, mit Artillerie und von Kriegsschiffen aus geschossen. Ein Korrespondent der Nachrichtenagentur dpa in Gaza sprach von einer Nacht voller Horror, Angst und Panik.

Nach Medienberichten griff die Armee 150 Ziele an, da­runter zwei Kommandozentralen der radikal-islamischen Hamas und vier Waffenlager, die sich in Moscheen befanden, sowie Hafenanlagen. Auch das Haus des Hamas-Spitzenpolitikers Ismail Hanija wurde getroffen. Der Funktionär und seine Familie waren zu dem Zeitpunkt nicht dort.

Die Zahl der Toten bei israelischen Angriffen im Gaza­streifen stieg auf mehr als 1100, 6700 Personen wurden verletzt. Die meisten der Opfer seien Zivilisten, teilten die Rettungskräfte mit.

Zerstört: Haus von Hamas-Führer Ismail Hanija. Foto: AP
Zerstört: Haus von Hamas-Führer Ismail Hanija. Foto: AP