UN-Vertreter geschockt: „Wo ist Menschlichkeit?“

Politik / 30.07.2014 • 20:42 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
UN-Schule geriet ins Fadenkreuz: Mindestens 15 Kinder und Erwachsene starben. Dieser Bub hat schwer verletzt überlebt. Foto: AP
UN-Schule geriet ins Fadenkreuz: Mindestens 15 Kinder und Erwachsene starben. Dieser Bub hat schwer verletzt überlebt. Foto: AP

Schule der Vereinten Nationen im Gazastreifen beschossen: Mindestens 15 Tote.

Gaza Stadt. Gut drei Wochen nach Beginn des Gazakrieges ist erneut eine UN-Schule ins Fadenkreuz der Kämpfe geraten. Beim Beschuss der Einrichtung der Hilfsorganisation UNRWA kamen gestern im Flüchtlingslager Dschabalia im nördlichen Gazastreifen mindestens 15 Menschen ums Leben, wie ein Sprecher der palästinensischen Rettungsdienste mitteilte.

Eine Armeesprecherin in Tel Aviv sagte, eine vorläufige Untersuchung des Vorfalls habe ergeben, dass militante Palästinenser in der Nähe der Schule Mörsergranaten auf israelische Soldaten abgefeuert hätten. Die Truppen hätten das Feuer erwidert.

Flüchtlingslager überfüllt

In Dschabalia leben mehr als 100.000 Palästinenser, die als Folge der früheren israelisch-arabischen Kriege heimatlos sind. Das Lager gilt als überfüllt. Nun herrscht noch mehr Enge, weil Zehntausende Palästinenser aus anderen Teilen der Mittelmeer-Enklave vor den israelischen Attacken dorthin flüchteten.

UN-Vertreter zeigten sich schockiert über den Angriff auf die UNRWA-Schule. „Wo ist die Menschlichkeit, wo ist die Moralität?“, twitterte die UN-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos: „Hier sterben Kinder, Zivilisten.“

Der seit dem 8. Juli andauernde Militäreinsatz in dem Palästinensergebiet ist inzwischen Israels längster Krieg seit 2006. Er dauert schon länger als die Konflikte im Gazastreifen in den Jahren 2009 und 2012.

Seit Beginn der Offensive starben nach neuesten Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza 1283 Menschen, etwa 7200 wurden verletzt. Laut israelischem Militär starben 53 Soldaten und 3 Zivilisten, 2670 Raketen seien seit dem 8. Juli auf israelisches Territorium abgefeuert worden.

Militante Palästinenser setzten gestern ihre Raketenangriffe auf israelische Orte fort. Eine vom israelischen Militär erklärte vierstündige Feuerpause am Nachmittag lehnte die Hamas ab.

Der im Untergrund aktive Militärchef der Organisation machte eine Waffenruhe im Gazakonflikt vom Ende der israelischen Militäroffensive abhängig. Auch die Blockade der Enklave am Mittelmeer müsse aufgehoben werden, sagte Mohammed Deif am Dienstag in einer über den TV-Sender der Hamas verbreiteten Audio-Botschaft.

Wo ist die Moralität? Hier sterben Kinder, Zivilisten.

Valerie Amos
Seit drei Wochen unter Beschuss: Gaza Stadt. Foto: EPA
Seit drei Wochen unter Beschuss: Gaza Stadt. Foto: EPA
Gestern Vormittag nach einem Angriff in Gaza Stadt: Minarett einer Moschee ist umgestürzt. Foto: EPA
Gestern Vormittag nach einem Angriff in Gaza Stadt: Minarett einer Moschee ist umgestürzt. Foto: EPA