Der Totentanz in Gaza geht weiter

Politik / 01.08.2014 • 22:31 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Totentanz in Gaza geht weiter

Doch Rahmen für eine Befriedung bleibt prinzipiell aufrecht.

Gaza stadt, Tel aviv. Im Konflikt um Gaza blieb die Menschlichkeit wieder auf der Strecke: Kaum waren Freitag früh ein dreitägiger „humanitärer“ Waffenstillstand verkündet und die ersten verschreckten Zivilisten aus ihren zerbombten Löchern gekrochen, um sich mit Trinkwasser, Medikamenten und etwas Essbarem zu versorgen, da tobt der Totentanz zwischen Israel und der Hamas aufs Neue. Leider war das vorauszusehen, denn die Vereinbarung zur Feuerpause bis Montag Morgen enthielt einen ganz neuralgischen Schwachpunkt: Die Israelis hatten sich das Recht vorbehalten, im Gazastreifen weiter unter ihrer Grenze hindurchschlüpfende Tunnels aufzuspüren und zu zerstören. Die Explosionen dabei mussten auf der Gegenseite als Bruch des Stillhalteabkommens verstanden werden. Der klägliche Ausgang dieses Versuchs, den Menschen von Gaza wenigstens eine Verschnaufpause zu sichern, war daher so gut wie vorprogrammiert.

Einzige Hoffnung an diesem vierten Kriegswochenende bleibt die sich steigernde Realität, dass es so einfach nicht weiter geht. Erfahrene, wenn auch recht zynische Nahosthasen wie ein Henry Kissinger wussten bereits, dass Kriege „fällig“ werden, wenn alle politischen Wege versumpfen; dass aber die kriegerischen Verwicklungen früher oder später durchgreifende Lösungen geradezu erzwingen. Der Jom-Kippur-Krieg von 1973 zwischen Ägypten und Israel führte direkt zu den Friedensvereinbarungen von Camp David, die sich bis heute bewähren. Mag dieser Waffenstillstand auch zusammengebrochen und der schon gedeckte Verhandlungstisch in Kairo noch leer sein: die Grundzüge eines israelisch-palästinensischen Zusammenfindens stehen unverrückbar fest. Und das nicht nur mit den gezähmten Nationalprogresssiven von Mahmud Abbas, sondern ebenso den erbitterten Islam-Kriegern der Hamas und des Dschihad. Ihre gemeinsame Verhandlungsdelegation hat zwar jetzt die Abreise nach Kairo gebremst, besteht aber als gemeinsames Gremium weiter. Auch steht weiter Ägypten als Vermittler im Palästinakonflikt fest, in den sich vorübergehend auch das für alles Extreme offene Golfemirat Katar und die unter Erdogan erklärt israelfeindliche Türkei eindrängen wollten.

Immer mehr Israelis sehen ganz klar, dass sie sich nicht mehr lang zu Tod siegen können. Die Hamas wiederum beginnt für sich ein Ende wie im August 1982 von Arafat in Libanon mit dem Exil als einzigem Ausweg zu fürchten. Die Islamisten unter den Palästina-Arabern scheinen daher erstmals wirklich bereit, mit Israel über eine dauerhafte Normalisierung für Gaza ohne insgeheimes Aufrüsten und damit auch ohne Blockade zu sprechen. Ein Zusammenfinden über Gräbern, das aber den Samen einer umfassenden Palästinalösung in sich tragen könnte!

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