Kirchliche Ränkespiele an der Karriereleiter

Politik / 08.08.2014 • 22:36 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Bischof Kapellari (r.) hätte sich seinen Ruhestand längst verdient. APA
Bischof Kapellari (r.) hätte sich seinen Ruhestand längst verdient. APA

Die Steirer warten auf einen Bischof und müssen ein unwürdiges Schauspiel ertragen.

Graz. Der Papst sammelt weiter Punkte: Das Bild von Franziskus in der Mensa, mit dem Teller Nudeln auf einem Tablett in einer Reihe mit den Vatikan-Bediensteten, ging um die Welt. Seine Verwaltung indessen liefert in Österreich gerade kein Glanzstück ab.

Warten auf den Ruhestand

Das letzte Puzzleteil der österreichischen Bischofsriege ist noch immer nicht gefunden. Bischof Egon Kapellari von Graz-Seckau ist inzwischen 78 Jahre alt. Vor drei Jahren bat er um Entlassung aus dem aktiven Dienst und einen Nachfolger. Papst Benedikt XVI. sagte grundsätzlich Ja, aber erst für später. Er verlängerte Kapellaris Dienst um zwei Jahre. Seither wartet der gebürtige Leobener und muss zusehen, wie seine Nachfolge mehr und mehr zum Spielball der Ränkeschmiede wird.

Graz-Seckau ist katholisches Kernland. 1218 von Salzburg aus gegründet, umfasst die Diözese 388 Pfarreien. Von den 1,2 Millionen Einwohnern sind rund 870.000 römisch-katholisch. Das entspricht einem Anteil von fast 72 Prozent. Bei insgesamt 457 Priestern kommen 1900 Katholiken auf einen Seelsorger. Graz-Seckau gehört wie Kärnten, Tirol und Vorarlberg zur Kirchenprovinz Salzburg.

In der Mozartstadt, am Kapitelplatz 2, residiert inzwischen ein guter alter Bekannter: der ehemalige Grazer Weihbischof und Kapellaris Wunschkandidat für seine eigene Nachfolge, Franz Lackner. Dass ausgerechnet er am 29. Juni 2014 aus den Händen des Papstes das „Pallium“ als Zeichen seiner Würde entgegennehmen durfte, hat das Salzburger Domkapitel mitentschieden. Den zwölf Domkapitularen fiel die Wahl leicht, weil die Liste aus Rom dem Vernehmen nach neben dem gemäßigten Lackner zwei wesentlich kritischere Namen enthielt: Andreas Laun (Salzburger Weihbischof) und Karl Wallner (Rektor der Privathochschule Benedikt XVI. in Heiligenkreuz). Bei beiden wären öffentliche Proteste zu erwarten gewesen. Wallner ist den Anhängern des streng-konservativen K-TV ein bekannter Referent. Laun stand wieder und wieder im Zentrum von geharnischten Auseinandersetzungen über die rechte Lehre. Ob der Vatikan die Panne eines solchen Dreiervorschlags in Graz vermeiden will und deshalb so lange zuwartet? Zuletzt wurden für Graz häufig drei Namen genannt: Hermann Glettler (49), bekannt als Künstlerpfarrer von Graz, und Generalvikar Heinrich Schnuderl. Auch dem Ende 2006 ernannten St. Pöltner Weihbischof, Anton Leichtfried (46), werden Chancen eingeräumt. Er hat als Bischof schon Erfahrungen in der Leitung einer Diözese. Wie man freilich hört, wurde Rom im bisherigen Dreiervorschlag von Amtsinhaber Egon Kapellari nicht fündig und hat den Findungsprozess neu eröffnet. Selbst ob der Kandidat aus einer intakten Familie stammt und die Eltern katholisch verheiratet waren, wird ergründet. In den einschlägigen Internetforen der Rechts-Konservativen ergießen sich regelmäßig Schmutzkübel über Kandidaten, die solche Bedingungen nicht erfüllen. Für Egon Kapellari ein zunehmendes Ärgernis, auch in der Sommersitzung der Bischofskonferenz soll das Thema Unmut erzeugt haben. Immerhin: Hermann Gettler, der sich als Sozialarbeiter und Kunstvermittler einen Namen gemacht hat, wurde im Sommer 2013 zum besten Prediger der Steiermark gekürt. Vielleicht drang die Nachricht inzwischen sogar über die Alpen. Gelesen wird sie erst im September. Jetzt ist erst einmal „Ferragosto“. Ganz Italien und mit ihm der Vatikan macht Urlaub.

Bischof Kapellari (r.) hätte sich seinen Ruhestand längst verdient. APA
Bischof Kapellari (r.) hätte sich seinen Ruhestand längst verdient. APA

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.