US-Luftwaffe als Retter

Politik / 10.08.2014 • 22:20 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Nordirak: IS jagt und ermordet Jesiden – keine militärische Unterstützung für Maliki-Regierung.

Bagdad. (VN-H. Gstrein) Auf den Himmel über dem Irak sind die Flieger der Amerikaner zurückgekehrt. Seit dem Wochenende greifen sie gezielt Vormarschkolonnen des „Islamischen Staates“ an, werfen Wasser und Lebensmittel für die von diesem als „Teufelsanbeter“ in Hunger­einöden gejagten Jesiden ab. Die sind in Wahrheit ein friedlich-frommes Völkchen zu beiden Seiten des oberen Tigris. Es handelt sich bei ihnen um keine Satanisten, sondern Ausläufer der alten persischen Religion Zarathus­tras.

Fanatische Horden

Für die fanatischen Horden des Kalifen von Mossul sind sie aber jetzt ein gefundenes Fressen, um sie zu verteufeln und zu vernichten. Das war schon lang der Jesiden Los. Bis heute überleben konnten sie nur in abgelegenen Tälern Kurdistans und auf den Höhen der westlichen Sindschar-Berge. Jetzt kam die US-Luftwaffe für sie als Retter aus höchster Not. Schon hatten nahöstliche Beobachter befürchtet, Washington würde seinen inzwischen offenkundigen Fehlern der Kriege gegen den „Schurkenstaat“ Saddam Husseins einen dritten hinzufügen: Diesmal die wahren Schurken von Abu Bakr al-Baghdadi ungehindert wüten zu lassen!
Neben diesem schon für Zehntausende Hungernde und Verdurstende segensreichen humanitären Einsatz lassen größere militärische Auswirkungen der US-Luftintervention noch auf sich warten. Allerdings scheint der Vormarsch des IS auf Erbil abgebremst zu sein, die Hauptstadt des autonomen irakischen Kurdistans. Die Kurden allein haben sich jedenfalls zu schwach erwiesen, um dem „Islamischen Staat“ Einhalt zu gebieten. Dessen Offensive verrät immer deutlicher die Handschrift von Saddams wieder aus der Versenkung getauchten Haudegen Ezzat Ibrahim al-Duri.

Abrechnung mit Kurden

Mit den Kurden hat Ezzat noch alte Rechnungen zu begleichen. Es dürfte aber überhaupt sein Kalkül sein, dem „Islamischen Staat“ noch vor dem entscheidenden Großangriff auf Bagdad die Nordostflanke von den Kurden frei zu kämpfen.
In der irakischen Hauptstadt zeigt sich die Regierung von Nuri al-Maliki nach dem amerikanischen Eingreifen erleichtert, doch ebenso ungehalten. Der Chef der Regierungstruppen, Zibari, will die USA schon seit Wochen vergeblich um genau diese Intervention gebeten haben, die aber „Iraks schiitischer Bevölkerungsmehrheit verweigert und dafür jetzt im Interesse der Kurden, Christen und Jesiden gewährt wurde“. In Bagdad wird überhaupt mit keiner Aufstockung der neuen US-Militärpräsenz gerechnet, solang das abgewirtschaftete Regime Maliki nicht einer irakischen Führung mit breiter demokratischer Unterstützung Platz macht.

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.