Kathrin Stainer-Hämmerle

Kommentar

Kathrin Stainer-Hämmerle

Politiker- Vorführung

Politik / 12.08.2014 • 22:37 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Am Montag gab es eine politische Premiere. Matthias Strolz (Neos) war der erste Vorarlberger Befragte in einem ORF-Sommergespräch. Zwei Mal fanden die rituellen Interviews bereits im Ländle statt. 1981 wurde VP-Chef Alois Mock von Peter Rabl interviewt und 2009 SP-Bundeskanzler Werner Faymann von Ingrid Thurnher. Viele werden sich noch an die quakenden Enten im Hintergrund erinnern.

Seit 1981 sind die Sommergespräche jährlich wiederkehrende Fixpunkte für politisch Interessierte. Lediglich 2008 und 2013 wollte der ORF aufgrund des herbstlichen Nationalratswahlkampfes das Publikum nicht überstrapazieren. Die Inszenierung wechselte immer wieder. Mal mit, mal ohne Publikum, mit verschiedenen Interviewern, allein oder mit Unterstützung von Experten, Intellektuellen oder Wirtschaftstreibenden. Heuer moderierte Peter Resetarits, ansonsten als Bürger­anwalt unterwegs. Dementsprechend kamen Menschen von der Straße zu Wort und ins Studio. Reichten 1981 bis 1986 noch drei Wochen für SPÖ, ÖVP und FPÖ, sorgten die Grünen (1987) und das Liberale Forum (1993) jeweils für eine Woche Verlängerung. Heuer kommen erstmals sechs Parteichefs zu Wort. So zieht sich das Programm bis Mitte September.

Sommergespräche bieten Politikern die Möglichkeit, einmal abseits der üblichen 20 Sekunden einer Nachrichtensendung ein politisches Programm zu erklären oder eine politische Vision zu entwerfen. Der Moderator kann wiederum auf Inhalte abseits der Tagespolitik eingehen, nachfragen und Widersprüche ausloten. Nicht so allerdings am Montagabend: Im Stakkato wurden die Themen Wasserprivatisierung, Pensionen, Arbeitslosigkeit, Bildung, Wohnen, Steuern oder Spitäler abgehandelt, Einzelschicksale gegen erlebte Geschichten aus dem Alltag eines Politikers in Stellung gebracht. Der Gesprächsverlauf hatte den vorbereiteten Interviews zu folgen statt den Antworten.

Für Differenzierung blieb keine Zeit, sie war offensichtlich nicht gewünscht. Strolz hatte bei seinem ersten Auftritt die generelle Erwartung an Politik zu erfüllen: Die Welt ist schwarz-weiß, schnelle Lösungen und einfache Antworten sind gewünscht, der Konflikt ist jedenfalls über den Kompromiss zu stellen. Für die Zuseher wurden so alle negativen Vorurteile gegenüber Politikern bedient und es blieb nur der schale Nachgeschmack des Verdrusses.

Ich erinnere mich noch an Interviews mit dem grünen Urgestein Kaspanaze Simma, die beinahe unerträglich lange Nachdenkpausen und überraschende Antworten enthielten. Wie würden Publikum und Medien wohl heute darauf reagieren? Der zeitgeistigen Medienlogik mag dies widersprechen, aber vielleicht trifft es den Geschmack der Bürger nach politischen Inhalten.

kathrin.stainer-haemmerle@vorarlbergernachrichten.at
FH-Prof. Kathrin Stainer-Hämmerle, eine gebürtige Lustenauerin,
lehrt Politikwissenschaften an der FH Kärnten.
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