,,Heiße“ Ferien in den USA

Politik / 18.08.2014 • 22:31 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Präsident Obama und das Parlament haben sich ferienhalber aus Washington verkrümelt, und in den Kaufhäusern langweilt sich das Verkaufspersonal. Wo in den Hauptstadt-Malls und den „Outletcentern“ an der US-Ostküste in früheren Jahren Deutsch so etwas wie zweite Verkehrssprache war, sind billige Jeans suchende „Krauts“ inzwischen so selten anzutreffen wie Weisheit und Vernunft in Washingtoner Regierungsbüros.

Auch Briten, Italiener, Japaner, Hongkong-Chinesen – und Franzosen sowieso – machen um die USA derzeit einen großen Bogen. „Mindestens zehn Prozent weniger Auslandsbesucher als sonst um diese Zeit“, schätzt das Washingtoner Handelsministerium. „Alles wegen der Weltwirtschaftslage.“ Der ministeriell noch höher eingeschätzte einheimische Besucherschwund wird hauptsächlich den kräftig gestiegenen Benzinpreisen angelastet.

Das hat die Rentnerin Marilyn Hartman in Kalifornien womöglich dazu getrieben, zum Nulltarif auf Reisen zu gehen. Auf dem Flughafen von San Jose schlich sie sich ohne Bordkarte durch alle Sicherheitskontrollen an Bord eines Southwest-Fliegers und düste nach Los Angeles. „Nur mal schnell zum Filmstar-Besichtigen in Hollywood.“ Beim Aussteigen wurde sie erwischt, was ihr eine kostenlose Übernachtung im Polizeigefängnis einbrachte. Ein verständnisvoller Richter ließ sie unter der Auflage frei, mit Bus und möglichst gültigem Fahrschein wieder nach Hause zu fahren.

Auch ausländische Besucher in den Vereinigten Staaten können nicht oft genug daran erinnert werden, in den USA nicht im Freien zu pinkeln und in der Öffentlichkeit aufs Fluchen zu verzichten. Denn die Erleichterung wird an vielen Orten des Landes als „unzüchtiges Verhalten“ bestraft, und sprachliche Entgleisungen werden als Ordnungswidrigkeit mit Bußgeld belegt. In Provo im US-Bundesstaat Utah musste ein Urlauber 40 Dollar berappen, weil er aus nicht mehr rekonstruierbaren Gründen in Hörweite zartbesaiteter Einheimischer laut „Scheiße“ gesagt hatte, was so ähnlich wie das amerikanische „shit“ klingt und eine wortwörtliche Übersetzung ist.

Ein Besuch der Stadt Ferguson in Missouri ist gegenwärtig allenfalls Touristen mit der Befähigung zum Kriegsberichterstatter anzuraten. Denn nachdem in der vergangenen Woche ein weißer Polizist einen 18-jährigen schwarzen Jungen mit mehreren Schüssen in den Rücken niederstreckte und tötete, entladen sich in der Stadt täglich gewalttätige Proteste aufgebrachter Mitbürger mit Molotowcocktails, Tränengas und gelegentlichen Schüssen.

Auch Detroit ist derzeit kein ideales Urlaubsgebiet. Gemessen an der Bevölkerungszahl wird hier so oft gemordet wie in keiner anderen US-Gegend. Polizeichef James Craig forderte die „gesetzestreuen“ Bewohner deshalb auf, sich zum eigenen Schutz schnellstens Schusswaffen zuzulegen. Garantiert sicher ist es gegenwärtig aber in Martha’s Vineyard an der US-Ostküste, wo der von vielen hilfreichen Geistern behütete Präsident Obama Ferien macht. Aber Urlauber müssen sich beeilen. Nächste Woche macht er wieder Dienst in Washington.

Peter W. Schroeder, Washington

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.