Saat des Todes in Gaza

Politik / 20.08.2014 • 22:33 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Angriff der Isrealis auf Hamas-Militärchef. Friedensgespräche in Kairo gescheitert.

gaza. (VN-heg) Zwischen Israel und Gaza wütet nach sechs Tagen Feuerpause wieder der Krieg. Sein sofortiger Höhepunkt wurde gleich der israelische Luftangriff auf die Privatwohnung des militärischen Hamas-Chefs Muhammad Deif. Netanjahu machte ihn für das Wiederaufflammen der Kämpfe noch vor dem Ende des offiziellen Waffenstillstands verantwortlich.

Tatsächlich dürfte Deif die gezielte Tötungsaktion voll überrascht haben. Sonst hätte er die Nacht in einem sicheren Bunker und nicht schutzlos bei seiner Frau und dem erst sieben Monate alten Sohn verbracht.

Feind Nummer 1

Muhammad Deif war Israels Feind Nr. 1 in Gaza, seit er vor zwölf Jahren an die Spitze der Kassam-Brigaden aufrückte; jener bewaffneten Verbände der Hamas, die den Namen des ersten, 1935 gefallenen arabischen Palästinakämpfers Ezzed-Din al-Kassam tragen. Deif entwickelte die nach jenem benannten Kassam-Raketen, konzipierte das System von Angriffstunnels unter der israelischen Grenze hinweg, spielte auch beim Schlagabtausch dieses Sommers die militärisch entscheidende Rolle.

Schon mehrmals hatten ihn die Israelis zu liquidieren versucht, er kam immer mit dem Leben, wenn auch mit Verletzungen und Verstümmelungen davon. Der jüngste Anschlag auf ihn und seine Familie führt jetzt zu besonderer Erbitterung auf der Hamas-Seite.

Gespräche gescheitert

Das Scheitern der Gespräche von Kairo wird inzwischen auf verschiedene Faktoren zurückgeführt. Vor allem wollte sich die Hamas nicht wieder an die Leine der PLO legen lassen: Der ägyptische Plan sah eine weitgehende Rückkehr der Palästina-Verwaltung von Mahmud Abbas in den Gazastreifen vor.

Aber selbst die Israelis schienen gar nicht gewillt zu sein, um des lieben Friedens willen die Autorität von Abbas zu stärken. Netanjahu dürfte jetzt damit liebäugeln, wieder in den Gazastreifen einzudringen, diesen vielleicht ganz zu besetzen.