IS-Dschihadisten bedrohen global

Politik / 22.08.2014 • 22:48 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Das Blut der „Feinde
Allahs“ soll rund um den Globus spritzen.

Ankara, bagdad. In der „Kalifenstadt“ Mossul feiert der Islamische Staat IS die brutale Enthauptung an seiner Journalistengeisel James Foley. Vom Arabischen Frühling haben die sonst mittelalterlichen Dschihadisten das Bloggen gelernt. Sie rufen ihre Gesinnungsgenossen in aller Welt auf, das Blut der „Feinde Allahs“ rund um den Globus spritzen zu lassen.

Nervös und besorgt zeigt sich besonders Ankara. Sein 48-köpfiges Konsulatsteam in Mossul befindet sich nach wie vor in der Gewalt des IS. Der Türkei will der Islamische Staat eine Enklave tief im von ihm beherrschten syrischen Osten abpressen. Dort liegt das Grab des legendären Stammvaters der osmanischen Türken, Süleyman Schah. Die Türkei hatte es im April vor der drohenden Schändung mit einem Expeditionskorps geschützt. Dessen Abzug fordert nun Mossul als wichtigste Bedingung für die Freilassung seiner türkischen Geiseln. Ankara kann aber seine Diplomaten kaum um den Preis der Preisgabe des Nationalheiligtums freikaufen. Ein Befreiungschlag rückt daher ins Kalkül.

Ebenso nimmt eine multinationale Militäraktion gegen den Islamischen Staat langsam Gestalt an. Die amerikanische „Luftbremse“ allein hat zwar das irakische Kurdistan und die dort zusammengedrängten 700.000 Flüchtlinge defensiv gerettet. Angriffserfolge auf das IS-Territorium lassen jedoch auf sich warten, wenn man vom Tigris-Staudamm absieht. Auch die groß ausposaunte Offensive der Bagdader Regierungstruppen bei Tikrit kommt nicht vom Fleck.
Ohne massives internationales Eingreifen wird sich an diesem Patt kaum etwas ändern lassen. Dann muss der IS nicht nur im Irak, sondern ebenso in Syrien besiegt werden, um ihm wirklich den Garaus zu machen. Das erfordert aber eine minimale Abstimmung des Westens mit den Russen. Die treten dort als Schutzmacht auf.

Dazu kommt, dass die USA jetzt mit dem IS eine Bande politislamischer Verbrecher bekämpfen müssen, die sie selbst als Gegenkraft zur syrischen Diktatur geduldet, wenn nicht gefördert haben. Washington hat sichtlich in Nahost nichts von Afghanistan und Al-Kaida dazugelernt. Aber schon zeichnen sich die südirakischen Schiiten als weitere fragwürdige Bundesgenossen der freien Welt ab: Das Freitagsgemetzel schiitischer Milizen in einer Sunnitenmoschee bei Bagdad steht den Gräueln des Islamischen Staates nicht nach. Außerdem gibt im jetzt gegen den IS aufgebotenen irakischen Regierungsvolksturm „Siraja as-Salam“ (Streifscharen des Friedens) nur die erklärt antiamerikanische „Mahdi-Armee“ des Imams Muktada as-Sadr den Ton an.

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