IS-Mordbanden und viel Geld

Politik / 25.08.2014 • 22:39 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Es gibt schon einige, und jetzt tapert die Welt in einen weiteren Krieg: Hinten im Irak gegen die IS-Mordbanden, die nach Meinung des US-Verteidigungsministers eine „ungeheuerliche Bedrohung der Vereinigten Staaten“ und überhaupt aller westlichen Länder geworden sind. Dagegen lässt Washington mächtig bomben und viele US-Verbündete wollen mit Waffenlieferungen willige Helfer beim Ausradieren des „IS-Krebsgeschwürs“ (Originalton Obama) sein.

Natürlich sind die steinzeitlichen Massenmörder eine Geißel der moralverpflichteten Menschheit und bei ihrem Verschwinden würde kaum jemand eine Träne vergießen. Aber wie erfolgversprechend ist denn das massiv-militärische Vorgehen gegen eine Terroristen-Horde? Vergleichbare Aktionen ebenfalls im Irak, in Afghanistan oder Somalia – gegen die al-Khaida und verwandte Vereine – sind nicht gerade rauschende Erfolge geworden.

Gibt es da nicht andere Möglichkeiten zur Bekämpfung der IS? „Follow the Money“ (Folgt dem Geld) ist ein schönes amerikanisches Sprichwort und das wäre eine dieser Möglichkeiten. Für ihren Völkermord braucht die IS Geld, viel Geld. Und wer den Geldfluss stoppt, macht dem Mordspuk ein Ende. Wer die Kriegskasse der IS füllt, ist kein Geheimnis: Die „Spenden“ kommen aus Saudiarabien, Katar und Kuweit – allesamt „treue Verbündete“ der Vereinigten Staaten. Mal von staatlichen und mal von privaten Geldgebern. Weitere Quellen sind Lösegelder für verschleppte europäische Geiseln, mafiöse Erpressungen in von IS-Banden besetzten irakischen Gebieten, sowie der Verkauf des dort geraubten irakischen Öls.

Natürlich könnte Washington die arabischen „Freunde“ zur Beendigung der IS-Kriegsfinanzierung drängen. Warum das nicht oder nicht wirkungsvoll geschieht, hat vielleicht etwas mit dem dort geförderten und auch in die USA gelieferten Öl zu tun. Die lukrativen Öl-Geschäfte der IS wären ebenfalls verhältnismäßig leicht zu beenden. Denn das Öl wird unter anderem in die Türkei (auch ein US-Verbündeter und obendrein Nato-Mitglied) geschafft. Warum fordert Washington den türkischen „Freund“ nicht auf, diese indirekte Kriegsfinanzierung zu unterlassen?

Wenn schon mit Bomben und Raketen hantiert wird, warum legt die Anti-IS-Koalition nicht die vom „Kriegsgegner“ kontrollierten Förderanlagen, die Pipelines und die Raffinerien lahm? Etwa weil das alles zum großen Teil Eigentum amerikanischer Öl-Multis ist und nach gewonnenem Krieg unbeschädigt wieder in ihren Besitz kommen soll? Und auch weil ein Zerdeppern weltweit den Rohölpreis in die Höhe treiben würde?

Fragen über Fragen, die nicht in Washington und auch nicht in anderen Hauptstädten beantwortet werden. Und das könnte einen bösen Verdacht nähren: Den Verdacht, dass einige Handelnde den Bombenkrieg für die lukrativere Alternative halten.

Peter W. Schroeder, Washington

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.