Obama, der große Atomwaffen-Aufrüster

24.09.2014 • 20:36 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Barack Obama, der Vorkämpfer für eine atomwaffenfreie Welt, das war gestern.

washington. Obama, der ganz große Nuklear-Aufrüster, ist heute und morgen. Nach der klammheimlichen Inbetriebnahme der neuen Atombomben-Fabrik „Kansas City Campus“ im US-Bundesstaat Kansas in der vergangenen Woche rücken das Weiße Haus, das Verteidigungsministerium und das für die Bombenherstellung zuständige Energieministerium in Washington scheibchenweise mit den Einzelheiten der gigantischen US-Atomwaffenaufrüstung heraus.

Das gegenwärtige US-Arsenal von rund 2000 Atombomben hauptsächlich der „superschweren“ Typen soll in den nächsten zehn Jahren mit einem Gesamtaufwand von derzeit geschätzten 1.100 Milliarden Dollar „modernisiert“ und mit einer Reihe von neuentwickelten „High-Technology-Nukes“ aufgestockt werden. Im Gesamtpreis enthalten sind die Kosten für die passenden Trägersysteme. Nachdem die vorhandenen US-Nuklearwaffen die Erde und alles Leben darauf schon mindestens 50 Mal hintereinander pulverisieren können, sollen die neuen Bomben insgesamt eine zehnmal größere Spreng- und Vernichtungskraft haben. Die Möglichkeit, die Erde mit den neuen Nuklearwaffen anderthalb Jahre lang jeden Tag aufs neue komplett vernichten zu können, macht für manche US-Politiker und Militärs offensichtlich Sinn.

Mit der „Modernisierung“ sollen die acht großen staatlichen Nuklearbomben-Fabriken in den USA mit ihren bereits 40.000 Beschäftigten beauftragt werden. Zusätzliche Arbeitsplätze würden bei US-Rüstungskonzernen mit den Sparten Raketen-, Bomber-, Schiffs-, U-Boot- und Landfahrzeugbau geschaffen werden. Ein paar Arbeitsplatzbrosamen sollen auch für die Europäer abfallen: Sie sollen beim Austauschen der zur Zeit 350 in Belgien, Deutschland, Großbritannien, Italien, den Niederlanden und der Türkei lagernden US-Atombomben gegen neue „dicke Brummer“ logistische Hilfe leisten und dafür die Kosten übernehmen.

„Maroder Zustand“

Detaillierte offizielle Begründungen Washingtons für die nukleare Billionen-Aufrüstung gibt es nicht. Inoffiziell heißt es jedoch, dass eine „neue geopolitische Lage“ (sprich: ein Moskau zuzutrauender neuer Kalter Krieg), der „marode Zustand“ zahlreicher Alt-Sprengköpfe sowie „technische Fortschritte“ die Modernisierung notwendig machten. Beispielsweise sei es US-Militärwissenschaftlern gelungen, neuartige Nuklearwaffen mit geografisch sehr begrenzter radioaktiver Streuung zu entwickeln. Dies könne langfristig die Möglichkeit ihres Einsatzes im Kampf gegen den internationalen Terrorismus eröffnen.

Das amtliche Bekanntmachen der Aufrüstungspläne der Obama-Regierung hat mit einiger Sicherheit auch etwas mit den Ende des Jahres stattfindenden Parlamentswahlen zu tun. Der Präsident will der republikanischen Opposition offensichtlich Wind aus den Segeln nehmen und ihren Vorwurf entkräften, dass seine Regierung den militärischen Schutz der USA vernachlässige und dadurch das Land unnötig „verletzbar“ mache. Auffällig häufig weisen Präsidentenhelfer auch auf die zu erwartende Sicherung und Schaffung neuer Arbeitsplätze durch die geplanten Anstrengungen hin. Gleichzeitig werden aber keine Angaben über die Finanzierung des Billionen-Programms gemacht, weil das die „wahlschädliche“ Nachfrage nach möglichen Steuererhöhungen auslösen würde.

Der Bomben-Präsident

Für das alles nimmt der zur Zeit auch in Syrien (konventionell) bombardierende Obama augenscheinlich einen weiteren internationalen Ansehensverlust in Kauf. Denn der Präsident hatte sein Amt ja mit dem Versprechen angetreten, sich für „eine Welt ohne Nuklearwaffen“ einzusetzen. Damit löste er in vielen Ländern Hoffnung und Bewunderung aus. Und das Nobelpreiskomitee verlieh ihm ausdrücklich für seine „Abrüstungsanstrengungen“ eilig den Friedensnobelpreis. Aber das war gestern. Heute ist anders.