Aufwind für Diktator Assad dank IS

Politik / 23.10.2014 • 22:47 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Erdogan versprach den Durchmarsch der Peschmerga.  REUTERS
Erdogan versprach den Durchmarsch der Peschmerga. REUTERS

Erdogans Türkei gerät mehr und mehr ins Abseits.

damaskus, bagdad. In dem Ringen mit dem „Islamischen Staat“ öffnen sich immer neue, überraschende Fronten, nicht nur im Irak, sondern ebenso in Syrien mit der Belagerung von Kobane. Während Nachbar Türkei der Stadt hartnäckig jede Entlastung verweigert, bietet sich nun das Assad-Regime als ihr Freund und Helfer an. Es will sogar schon Waffen und andere Kriegstechnik geliefert haben.

Fliegender Frontwechsel

Auf jeden Fall umwirbt Damaskus die Anti-IS-Allianz als potenzieller Verbündeter. Dieser fliegende Frontwechsel war abzusehen, seit die USA und ihre Verbündeten vor einem Monat im Einverständnis mit Baschar al-Assad ihre Luftangriffe auf den Islamischen Staat auch nach Syrien hineintragen konnten. Der Diktator wird als inoffizieller Bundesgenosse desto mehr aufgewertet, je länger sich Ankara seinen NATO-Verpflichtungen gegen den IS entzieht, die Bündnispartner mit bald wieder gebrochenen Versprechungen hinhält.

So lässt der längst und erneut von Erdogan aus Riga versprochene Durchmarsch von kurdisch-irakischen Peschmerga-Kämpfern mit schweren Waffen über die Türkei nach Kobane weiter auf sich warten. Völlig durchlässig ist die türkische Grenze hingegen für Freiwillige aus aller Welt, die dem Islamischen Staat zuströmen. Diesen Dschihad-Teenagern imponieren immer mehr die Grausamkeiten der Terrormiliz und das damit verbundene Gefühl der Stärke. Über die Türkei fluten aber auch Heilig-Krieg-Heimkehrer in ihre Herkunftsländer zurück. Dort erfüllen sie von Ottawa bis Jerusalem jenen Auftrag, den ihnen IS-Sprecher Abu Mohammed al-Adnani mit auf den Weg gegeben hat: „Jeder Muslim soll sein Haus verlassen, einen Ungläubigen finden und ihn töten!“.

Ansehen und Glaubwürdigkeit der Türkei sind auf einem noch nie dagewesenen Tiefpunkt angelangt. Präsident Tayip Erdogan hat sich völlig in seine Gegnerschaft zu Assad, zum neuen ägyptischen Staatschef Sissi und zu Israel verbissen. Dafür unterstützt er die Muslim-Brüder, Hamas und zumindest indirekt sogar den Islamischen Staat. Seine letzte Provokation ist die Freilassung von Basil Hassan, dem Attentäter auf den islamkritischen dänischen Journalisten Laars Hedegaard. Damit stößt er nicht nur die Dänen vor den Kopf.

Der einzige, der noch auf Erdogan setzt, ist völlig paradox der inhaftierte Kurdenführer Abdullah Öcalan. Von seiner Gefängnisinsel Imrali hatte er schon zur Beendigung der Kurdenproteste gegen den türkischen „Verrat“ an Kobane aufgerufen. Wie er seinen Knast-Besuchern von der Minderheitenpartei HDP darlegte, bliebe dem international geächteten Erdogan nun gar nichts anderes übrig, als die Flucht nach vorn in einen Ausgleich mit den türkischen Kurden zu ergreifen.