Auch Israels Araber sind im Aufruhr

Politik / 09.11.2014 • 22:42 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini wird Palästinensern gerecht.

jerusalem. Zum jüngsten Aufbegehren der Palästinenser in Jerusalem und dem Westjordanland ist am Sonntag ein Generalstreik der israelischen Araber gekommen. Das sind immerhin 1,7 Millionen, ein Fünftel der mehrheitlich jüdischen Gesamtbevölkerung. Israels arabische Staatsbürger hatten sich jahrzehntelang friedlich und kooperativ verhalten, sogar in den späten 1980er- und frühen 2000er-Jahren, als in den besetzten Gebieten die palästinensischen Aufstände der ersten und zweiten Intifada tobten. Die systematische Zerbombung von Gaza im letzten Sommer konnte aber auch den gezähmten Arabern Israels nicht gleichgültig bleiben. Im Frühherbst mehrten sich die Fälle von arabischen Freiwilligen für die Terrormilizen des „Islamischen Staats“ (IS) aus Jaffa, Haifa und Galiläa. So brauchte es jetzt nur den Funken tödlicher Polizistenschüsse auf einen jungen Araber in Kafr Kana, dem überlieferten Ort von Jesu Wasserwandlungswunder in blutroten Wein, um das Blut aller arabischen Untertanen der Israelis zum Sieden zu bringen.

Jerusalemer Sicherheitsexperten machen dafür jedoch eine schon gefährliche Infiltrierung von Israels Arabern durch die Hamas verantwortlich. So wie diese das erneute Zusammenrücken mit der Fatah von Präsident Mahmud Abbas beim Gaza-Waffenstillstand vom August seitdem gezielt zur Schwächung dieses national-weltlichen Palästinaflügels ausnützt. Ihr gemeinsamer Regierungschef Rami Hamdallah wagt sich nach den Anschlägen auf Fatah-Exponenten im GazaStreifen nicht einmal dorthin, um wie geplant am Dienstag den zehnten Todestag von Jasser Arafat zu begehen.

Einsatz der Vollblutdiplomatin

Nicht aus Gaza wegschrecken ließ sich am Wochenende die frischgebackene Außenbeauftragte der EU, Federica Mogherini. Die Spezialistin für Religion und Politik im Islam, dazu ausgewiesene Vollblutdiplomatin, setzte bei der Hamas die erfreulich frische und klare europäische Politik fort, die sie schon in Jerusalem gegenüber Nethanyahu vertreten hatte: Keine Verzögerungsspielchen mehr mit Freiheit und Unabhängigkeit für Arabisch-Palästina!

Zu diesem gehört auch der Ostteil Jerusalems. Darüber führte die sonst noch immer jungmädchenhaft wirkende frühere Jungsozialistin einen heftigen Disput mit dem jüdischen Rechtsaußenpremier wegen seines Anspruchs auf Jerusalem als angeblich ewige und unteilbare Hauptstadt von Israel. Mogherini präzisierte ihren EU-Standpunkt am späten Samstag in Ramallah bei Abbas und Hamdallah: Jerusalem zur doppelten Hauptstadt von Israel und von Palästina zu machen, sei keine bilaterale, sondern vordringlich weltpolitische Aufgabe.