Schnee schwächt Heeres-Mobilität

Politik / 12.11.2014 • 22:25 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
„Wir können Verletzte nur mit einem Schlitten ins Tal bringen“, sagt Konzett.  FOTO: Militärkommando
„Wir können Verletzte nur mit einem Schlitten ins Tal bringen“, sagt Konzett. FOTO: Militärkommando

Fahrzeuge für Katastrophenhilfe im Winter fehlen: Soldaten haben nur Schlitten und Ski.

Wien. In einigen Bereichen entwickelten sich die Verhandlungen über die Bundesheer-Reform „mühselig“, erklärte Verteidigungsminister Gerald Klug (SPÖ) am Mittwoch vor Journalisten. Einigkeit vermisst er etwa bei den zu schließenden Kasernen-Standorten und der Militärmusik. Ein Punkt scheint aber seit Anbeginn der Diskussionen unbestritten: der Katastrophenschutz. Er habe Priorität und solle trotz Sparmaßnahmen weiterhin gewährleistet bleiben, herrscht eigentlich parteiübergreifender Konsens. So betonte auch der zuständige Landesrat Erich Schwärzler (ÖVP) des Öfteren, dass der Katastrophenschutz im Vordergrund stehe. Klug hielt fest, diesen bis mindestens 2016 sichern zu können. Sein Versprechen könne er im Falle von Hochwasserkatastrophen auch halten, glaubt der Vorarlberger Militärkommandant Brigadier Ernst Konzett. Im Winter allerdings sei die Lage eine andere, wie das Beispiel des Jägerbataillons 23 in Vorarlberg zeigt.

Abseits nicht mobil

Dort scheint autonome Mobilität in der kalten Jahreszeit wohl mehr zwei Fremdwörtern zu gleichen als der Realität. Denn bei hoher Schneelage und schlechtem Flugwetter – sofern überhaupt ein Hubschrauber aus einem anderen Bundesland gestellt würde – können die Soldaten weder mit ihren zehn verbliebenen Pinzgauer-Fahrzeugen noch mit ihren neuen 40 Paar Ski Großes ausrichten. „In diesem Fall sind wir von den Pistenraupen der Liftgesellschaften abhängig“, erklärt Konzett. Überschneefahrzeuge besitzt das Bundesheer in Vorarlberg keine. „Abseits geräumter Wege und Straßen“ könnten sich die Soldaten lediglich mit den Pinzgauern bewegen. Früher besaß das Bataillon noch 33 dieser Fahrzeuge. Der Bestand wurde bis heute allerdings um über zwei Drittel gekürzt. Nur acht Soldaten können pro Pinzgauer im Schneegestöber transportiert werden. Mit ihren Schneeketten stoßen aber auch diese früher oder später an ihre Grenzen.

Insgesamt besteht das Bataillon aus 600 Soldaten. 120 von ihnen hätten noch in „normalen Transportfahrzeugen“ Platz. Diese seien für einen Einsatz in verschneiten Lagen aber nicht geeignet.

„Wie zu Zeiten des Weltkriegs“

„Ohne Überschneefahrzeuge sind wir eingeschränkt“, betont Konzett. „Es steht ja außer Zweifel, dass die Hochgebirgsbataillone diese brauchen.“ Nur die Beschaffung werde stets aufgeschoben. Obwohl genau diese Mobilität doch essenziell wäre, fügt er hinzu – „nämlich für eine schnelle Rettung, in der Ausbildung sowie für die Sicherheit der Soldaten und Opfer im Katastrophenfall. Wenn ich mich nur zu Fuß bewegen kann und jemand verletzt ist, dann kann ich ihn eigentlich nur wie zu Zeiten des Ersten Weltkriegs mit einem Schlitten ins Tal bringen.“

Man dürfe aber nicht alles schlechtmachen, im Katastrophenschutz sei viel geschafft worden, betont Konzett: „In Salzburg wurden zum Beispiel Boote und Maschinen angeschafft, die dafür sehr wichtig sind. Was aber den Winter- und Lawineneinsatz anbelangt, gibt es ein großes Manko. Die Ausstattung ist einfach nicht mehr zeitgemäß.“ Auch die qualitativ hochwertige „Mannesausrüstung“, also die Bekleidung, ginge allmählich kaputt und werde nicht ersetzt. Wenigstens habe das Land in 40 Paar Ski und Lawinensuchgeräte investiert, obwohl „das eigentlich die Aufgabe des Bundes wäre“, so Konzett.

Unsere Ausrüstung ist einfach nicht mehr zeitgemäß.

Ernst Konzett