Gewaltbereitschaft sinkt

Politik / 13.11.2014 • 22:15 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Trotz Besserung: In Vorarlberg wächst noch immer jedes zweite Kind mit Gewalt auf.

wien, schwarzach (VN-fei) Die „gesunde Watsche“ wurde in Österreich bereits 1989 gesetzlich verboten, und seit 2011 ist das Recht des Kindes auf gewaltfreie Erziehung sogar in der Verfassung verankert. Dennoch wissen von diesem Gewaltverbot heute nur 58 Prozent der Bevölkerung. Das ist ein Ergebnis aus der am Donnerstag vom Familienministerium in Wien präsentierten Studie über Gewalt an Kindern.

Erhoben wurden die Einstellung der Erziehenden zum Thema und die eigene Gewalterfahrung, verglichen wurden die Daten mit jenen einer ähnlichen Studie von 1977. Ziel war es, zu erkennen, wie sehr bisherige Maßnahmen in der Gewaltprävention gefruchtet haben. Das ministerielle Fazit: „Die Köpfe der Menschen wurden erreicht, aber leider noch nicht ihre Hände“, doch die würden heute mehr aus Überforderung denn aus Überzeugung erhoben.

Generell zeigt die Studie einen abnehmenden Trend bei der Einstellung zu körperlicher Gewalt gegen Kinder. Lehnten 1977 nur 27 Prozent der gut 1000 Befragten Schläge ab, sind es heute 78. Dafür kommt es vermehrt zu psychischer Gewalt. Der Entzug von Vergnügen führt mit 54 Prozent die Hitliste der Sanktionen an. Ein weiteres Studienergebnis: Im Vergleich zu 1977 haben selbst erlebte physische und psychische Gewalt zugenommen, fast 40 Prozent haben diese Erfahrung gemacht.

Großer Handlungsbedarf

„Die Zahlen zeigen“, analysiert der Vorarlberger Kinder- und Jugendanwalt Michael Rauch, „dass Information und Prävention noch stark verbessert werden müssen.“ Denn: „Jedes zweite Kind in Vorarlberg wächst nicht gewaltfrei auf“, sagt Rauch im VN-Gespräch, wobei er hier sowohl physische als auch psychische Gewalt meint. Das Angebot an Hilfen für Betroffene sei zwar „gut ausgebaut“, doch fehlt ihm eine verbindliche Strategie für Bund und Länder.

Jedes zweite Kind in Vorarlberg wächst nicht gewaltfrei auf.

Michael Rauch