AMS streicht einige Stipendien

Politik / 16.11.2014 • 22:06 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Auch für Kindergartenpädagoginnen sollen die AMS-Förderungen gestrichen werden.  Foto: VN/Hartinger
Auch für Kindergartenpädagoginnen sollen die AMS-Förderungen gestrichen werden. Foto: VN/Hartinger

Liste geförderter Ausbildungen gekürzt: Vor allem angehende Pädagogen betroffen.

Wien. Die Liste der vom AMS förderbaren Ausbildungen ist deutlich kürzer geworden. Ab 2015 gehört das noch nicht einmal zwei Jahre alte Fachkräftestipendium für angehende Pädagogen, Pflegehelfer und Sozialbetreuer der Vergangenheit an.

„Grund dafür sind nicht die Budgetkürzungen“, erklärt der Leiter des AMS-Vorarlberg, Anton Strini. Die große Nachfrage nach dem Stipendium sei das Problem: „Es ist ein Instrument, das massiv genutzt wurde und weiter massiv genutzt wird. Wenn wir so weitermachen, wird es vom Aufwand her explodieren.“ Strini schätzt, dass das AMS Vorarlberg im Jahr 2014 rund 800.000 Euro allein für das Fachkräftestipendium aufwenden wird, 2015 soll es trotz der „eingebauten Bremsen“ bereits über eine Million Euro kosten. Beachte man das gesamte Jahresbudget des AMS Vorarlberg von rund 41 Millionen Euro, sei das sei bereits ein beachtlicher Anteil.

Keine Mangelberufe

Österreichweit wurde das Budget für das Fachkräfte­stipendium von insgesamt 25 auf 30 Millionen Euro erhöht. Dennoch werden die pädagogischen und Sozialberufe in Zukunft keinen Anspruch mehr auf diese Förderung haben. Sie zählen laut AMS Österreich nicht mehr zu den „Mangelberufen“. Das hätten die Erhebungen ergeben, erklärte eine Sprecherin.

Wiesflecker ist irritiert

Dass die Ausbildungsplätze angehender Sozialbetreuer und Pflegehelfer von der Förderliste gestrichen wurden, bezeichnet Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker (Grüne) als „irritierend“. „Vor allem, dass Sozialminister Rudolf Hundstorfer da mitmacht. Er müsste in diesen Bereichen ja großes Interesse am Nachwuchs haben“, sagt die Landesrätin.

Konkret betroffen werden etwa die Studenten der Schule für Sozialbetreuungsberufe in Bregenz sein. Dort erhalten derzeit 75 von insgesamt 172 ein Fachkräftestipendium. Wird dieses für Neuzugänge ab 2015 abgedreht, so „rechnen wir mit einem starken Rückgang an Schülern“, erklärt Direktorin Katharina Lang. Natürlich gebe es noch weitere Förderquellen, allerdings seien diese weniger flexibel.

„Bund und AMS wissen genau, dass es in Zukunft Pflege- und Sozialbetreuungsberufe brauchen wird. Vermutlich denken sie sich, dass sich bei einem Mangel ohnehin die Länder darum kümmern“, kritisiert Lang. Auch Soziallandesrätin Wiesflecker befürchtet hier eine erneute Verschiebung zum Land: „Wir arbeiten schon an einer Lösung, um den Nachwuchs auch in der Pflegehilfe und der Sozialbetreuung zu sichern.“ Schließlich sei der Mangel in allen Bereichen der Pflege bereits spürbar.

Falscher Ansatz

Nachwuchs brauche es auch im Bildungsbereich, erklärt die dafür zuständige Landesrätin Bernadette Mennel (ÖVP). Daher sei es „der falsche Ansatz“, das Fachkräftestipendium einfach für alle Ausbildungsplätze von der Sozial- über die Sonder- bis hin zur Hortpädagogik zu streichen. „Ich hoffe, dass da nochmals ein Umdenken stattfindet und diese Stipendien weiter ausbezahlt werden“, so Mennel.

Es sei ein falsches Zeichen, die Förderung für angehende Kindergartenpädagogen zu streichen, erklärt auch Bakip-Feldkirch-Direktor Gerhard Frontull: „Es gibt so viele motivierte und engagierte Leute, die das machen wollen, aber gleichzeitig auf Unterstützung angewiesen sind. Daher kann ich mir gut vorstellen, dass ein Ende des Fachkräftestipendiums für diesen Bereich auch zu einer Verschlechterung führt. Sicher ist, dass hier auf jeden Fall am falschen Ort gespart wird.“

Das Fachkräftestipendium würde vom Aufwand her explodieren.

Anton Strini

Fachkräftestipendium

Mit dem Fachkräftestipendium werden Ausbildungen gefördert, in denen ein Mangel an Fachkräften herrscht. Diese werden derzeit in den Kategorien Bau/Holz, Elektrotechnik, Gesundheit/Pflege, IT und Metall zusammengefasst. Nicht mehr gefördert werden die Ausbildungen zu Sonderpädagogik, Sozialem und Sozialpädagogik. Konkret betroffen sind u.a. folgende Ausbildungsplätze: Pflegehilfelehrgang, Schule für Sozialbetreuungsberufe, Lehrgang zur Ausbildung von Sondererziehern, Kolleg für Sozialpädagogik, Kolleg für Kindergartenpädagogik, Kolleg für Hortpädagogik, Kolleg für Sonderkindergartenpädagogik.