Noch ein weiter Weg nach Mossul

Politik / 16.11.2014 • 22:45 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Bodenerfolge im „Sunnitischen Dreieck“. Ein Siegesjubel ist noch nicht angesagt.

Mossul. Der amerikanische Generalstabschef Martin Dempsey konnte sich bei seinem Wochenendtrip in den Irak über erste Erfolge lokaler arabischer Bodentruppen gegen die Terrormilizen des Islamischen Staates (IS) freuen. Bisher waren es nur Kurden, die der Expansion des Kalifats von Mossul im Nordostirak und vor dem syrischen Kobane erfolgreich die Stirn boten. Nun aber konnten irakische Regierungstruppen und schiitische Freischaren die Petrol-Industrien von Baidschi und den Staudamm Adhaim im Norden von Bagdad frei- kämpfen. Das Raffineriezentrum lieferte den halben Kraft- und Brennstoffbedarf des Landes, die vom IS schon vorbereitete Sprengung des Dammes hätte die ganze irakische Hauptstadt überflutet.
Dieser Bodengewinn ist umso bedeutender, als er mitten im sogenannten „Sunnitischen Dreieck“ erfolgt. Dessen Stämme hatten sich auf die Seite der Dschihadisten geschlagen oder fürchteten diese wegen der bisherigen Schwäche der Regierungstruppen. Deren Erfolge unterstützen nun die neuesten Bestrebungen der Amerikaner um ein „Sunnitisches Erwachen“ gegen den Islamischen Staat.
Inzwischen ist aber noch lange kein verfrühter Siegesjubel angesagt. Zwar haben in Baidschi die Autobomben von Selbstmord-Islamisten den Kürzeren gegen die Panzer aus Bagdad gezogen. Dort zählt der IS aber genug Sympathisanten im Untergrund, um die ganze Stadt und besonders ihre Schiitenviertel zu verunsichern. Überhaupt zeigt sich der Islamische Staat schon viel besser organisiert als der irakische, was sein internes Überwachungssystem und die Spionage im gegnerischen Umfeld angeht.

Sklaven des Mahdi

Kalif Abu Bakr al-Baghdadi wird also nicht so leicht und schnell zu bezwingen sein. Umso mehr, da die Türkei als einzige gewichtige Militärmacht im Raum der Allianz gegen den IS nach wie vor ihre Unterstützung verweigert. Es wird ein weiter, langer Weg bis Mossul. Das erinnert an die bisher einzige Parallele zu dieser radikal-islamischen Staatsgründung, an das Reich des „Mahdi“ im Sudan des späten 19. Jahrhunderts. Damals brauchte es fast zwanzig Jahre, um diese Ausgeburt religiösen Wahns in die Knie zu zwingen. Gemeinsam haben der sudanesische Gottesstaat und das irakisch-syrische Kalifat auch ihre brutale Menschenknechtung. Zu den Sklaven des Mahdi zählten der Wiener Offizier Rudolf Slatin und der Südtiroler Comboni-Pater Ohrwalder. Katholische Missionsschwestern mussten zum Harems-Sex herhalten wie heute Jesiden-Mädchen für die IS-Gelüste.
Sicher stand der Mahdisten-Albtraum zur Welt von damals in weniger krassem Gegensatz als der Islamische Staat heute. Was diesen nicht hindert, sich global wie Metastasen eines Krebses auszubreiten: In Libanon, Ägypten und Libyen, bei den Palästinenser-Unruhen in Ostjerusalem, in Schwarzafrika, Südamerika sowie der wachsenden Dschihadistenszene unserer eigenen Muslimdiaspora.