Pflegelehre statt Sparkurs

Politik / 17.11.2014 • 22:22 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Alt-Vizelandtagspräsident Lampert fordert die Einführung der Pflegelehre.  FOTO: APA
Alt-Vizelandtagspräsident Lampert fordert die Einführung der Pflegelehre. FOTO: APA

Russ-Preis-Träger Günter Lampert fordert duale Ausbildung: Petition liegt bereits auf.

Wien. Die Betreuung von Pflegebedürftigen müsse eindeutig zu den Prioritäten des Landes zählen. In der heutigen Form könne sie jedoch nur aufrechterhalten werden, wenn es neue Ideen gebe, erklärt Alt-Vizelandtagspräsident und Russ-Preis-Träger Günter Lampert im VN-Gespräch. Es reiche nicht aus, „nur an allen möglichen Schrauben zu drehen“, vor allem dann nicht, wenn dieses Drehen lediglich zu Kürzungen führe. Lampert verfolgt daher einen ganz anderen Ansatz. Er will im Nationalrat den Bildungsweg der Pflegelehre durchsetzen.

Zwei Petitionen für eine Lehre

Diesen Vorschlag brachten die Nationalratsabgeordneten Reinhard Bösch (FPÖ) und Norbert Sieber (ÖVP) nun auf seine Bitte hin in Form einer Petition ins Parlament. Da ein „gemeinsames Vorgehen“ nicht abgestimmt gewesen sei, liegt diese nun zwei Mal im selben Wortlaut zur Unterstützung auf. „Ich habe das Anliegen selbstverständlich bejaht. Welche Petition nun unterschrieben wird, macht aber keinen Unterschied“, erklärt Bösch. Der Inhalt sei bei beiden der gleiche.

„Wir haben heute schon einen Mangel an Pflegepersonal“, erklärt Lampert seine Intention. „Wenn wir uns die demographische Entwicklung ansehen, wird deutlich, dass wir in Zukunft jede mögliche Kraft für die Pflege brauchen werden.“ Und zu Zeiten hoher Arbeitslosigkeit könnte die Pflegelehre für zahlreiche junge Menschen gute berufliche Perspektiven bieten, so der Feldkircher Altbürgermeister.

Schweizer Modell

Um die Praxistauglichkeit und das Interesse der Jugendlichen nachzuweisen, habe Vorarlberg seit 2011
die Ausbildungskombination „Betriebsdienstleistungslehre und Pflegehilfe“ als Pilotversuch umgesetzt, heißt es in der Begründung der Petition. 32 Lehrlinge seien derzeit im Rahmen dieses Modellprojekts in 21 Betrieben in Ausbildung. „Wir haben aber weit mehr Bewerbungen als Ausbildungsplätze“, betont der Russ-Preis-Träger. Dass der Erfolg dieser Ausbildung auch anhalten würde, zeige die Praxis in der Schweiz: Dort werde die Idee der Pflegelehre bereits seit über einem Jahrzehnt umgesetzt, erklärt Lampert: „Sie ist zu einem der wichtigsten Berufsausbildungen geworden. Mir ist wichtig, dass sich das Parlament auch bei uns endlich mit dieser Bildungsmaßnahme befasst.“

Kürzungen überraschend

Gleichzeitig betont der Russ-Preis-Träger, dass er die Kürzung des AMS-Fachkräfte­stipendiums für Pflegehelfer nicht nachvollziehen könne. „Da werden sicher auf der falschen Seite Mittel eingespart, aber man muss auch verstehen, dass der Topf vom AMS kleiner wird.“ Schließlich sei alles eine Frage der Finanzierbarkeit.

Man müsse eine Balance finden und neue Ansätze verfolgen. Die Sparmaßnahmen allein – wie sie in den vergangenen Wochen gesetzt wurden – führen Lampert zufolge nicht zum Ziel. Es müsse aber auch klar sein, dass „wir uns an der Grenze der Finanzierbarkeit der aktuellen Standards befinden“, betont der Altbürgermeister.

Wir befinden uns an der Grenze der Finanzierbarkeit.

Günter Lampert