Sechs Tote bei Anschlag

Politik / 18.11.2014 • 22:46 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

„Volksfront zur Befreiung Palästinas“ bekennt sich zu Attentat in der Synagoge.

JERUSALEM, Ramallah. (VN) Zwei palästinensische Attentäter haben bei einem der schwersten Angriffe in Jerusalem seit Jahren vier Menschen in einer Synagoge getötet. Bei den Attentätern handelte es sich nach Angaben der Polizei um zwei Cousins, die aus dem palästinensischen Stadtteil Jabal Mukaber in Ostjerusalem stammten. Sie stürmten kurz vor 7 Uhr in die Synagoge von Har Nof am Westrand der Stadt. Alarmierte Polizisten lieferten sich mit den Attentätern einen Schusswechsel und töteten sie.

Die vier von den Attentätern ermordeten Gläubigen sind nach Angaben der Polizei alle Einwanderer aus den USA und Großbritannien. Drei von ihnen hätten neben der israelischen auch die amerikanische und einer die britische Staatsbürgerschaft. Verletzt wurden bei dem Attentat insgesamt sechs Personen.

Gegenseitige Vorwürfe

Ministerpräsident Benjamin Netanyahu warf der radikal-islamischen Hamas und dem palästinensischen Präsidenten Mahmoud Abbas Anstiftung vor und kündigte eine harte Reaktion an. Die Hamas hingegen hieß den Anschlag gut und rief zu weiteren Racheaktionen auf. Im Gazastreifen wurden von Moscheen aus Glückwünsche ausgerufen und per palästinensischem Radio die Angreifer als Märtyrer gefeiert.

Die radikale „Volksfront zur Befreiung Palästinas“ (PFLP) bekannte sich zu dem Anschlag und teilte mit, zwei ihrer Mitglieder hätten ihn verübt. Die Organisation rief alle palästinensischen Fraktionen dazu auf, „gemeinsam Widerstand gegen die (israelische) Besatzung zu leisten“.

Der Vorfall ist der jüngste in einer Serie von Anschlägen in den vergangenen Wochen. Am Montag war es in Jerusalem zu Ausschreitungen zwischen palästinensischen Jugendlichen und israelischen Soldaten gekommen, nachdem die Leiche eines palästinensischen Busfahrers gefunden worden war. Insgesamt wurden bereits mehr als ein Dutzend Menschen getötet.

Der nun erfolgte Angriff auf die Synagoge des von Ultraorthodoxen bewohnten Viertels neben der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem war der schwerste Vorfall dieser Art in Jerusalem seit 2008. Damals hatte ein Palästinenser acht Menschen in einer Religionsschule erschossen. Es war seitdem das erste Attentat auf eine religiöse Stätte in Jerusalem. Palästinenserpräsident Abbas erklärte noch am Vormittag: „Die palästinensische Präsidentschaft hat die Tötung von Zivilisten auf beiden Seiten zu jeder Zeit verurteilt. Heute verurteilen wir die Tötung von Betenden in einer Synagoge in Westjerusalem.“

Netanyahu hatte Abbas kurz zuvor eine Mitverantwortung für das Attentat zugewiesen: „Dies ist das direkte Resultat der Aufwiegelung durch die Hamas und Abu Mazen“, sagte er unter Verwendung des Beinamens von Abbas und fügte hinzu: „Einer Aufwiegelung, die von der internationalen Gemeinschaft auf unverantwortliche Weise ignoriert wird.“