„Migration ist Aufwand“

Politik / 21.11.2014 • 22:35 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Vorarlberg 2060: Jeder Vierte im Ausland geboren. Bildung forcieren, fordert Expertin.

Wien. Die Zahl der im Ausland geborenen Menschen steigt infolge der Zuwanderung auch in Zukunft weiter an. Mehr als jeder vierte Einwohner Vorarlbergs wird im Jahr 2060 seinen Geburtsort nicht in Österreich haben. Das ergibt die Bevölkerungsprognose der Statistik Austria. Ohne Zuwanderung würde die Republik wie berichtet schrumpfen und die Gruppe der über 65-Jährigen noch stärker wachsen. Immigration hält die Gesellschaft laut Statistik Austria also jünger und macht sie ebenso divergenter. Von den heute 373.870 Einwohnern in Vorarlberg wurden 18,1 Prozent im Ausland geboren. Bis 2060 wird der Anteil dieser Personengruppe bei 434.682 Einwohnern auf 27,6 Prozent steigen und liegt damit um 1,9 Prozent über dem österreichischen Durchschnitt.

Unter dem Strich werde das Land diese Entwicklung gut verkraften, sind sich sowohl Heinz Faßmann, Vorsitzender des Expertenrats für Integration im Außenministerium, als auch Russ-Preis-Trägerin und Integrations­expertin Eva Grabherr sicher. Es brauche allerdings mehr Anstrengungen im Bildungsbereich, verdeutlichen beide.

Potenziale nutzen

„Wir müssen das Thema Zuwanderung differenzierter diskutieren“, erklärt Grabherr außerdem. Schließlich würde die Bevölkerung nicht immer die positiven wirtschaftlichen Effekte spüren, verweist sie unter anderem auf eine Studie aus Großbritannien. Das Vereinigte Königreich habe zwar ökonomisch vom Zuzug profitiert, auf gesellschaftlicher Ebene sei es jedoch zu Problemen zum Beispiel in Schulen und Krankenhäusern gekommen. „Migration bedeutet große Anstrengung für die aufnehmende Gesellschaft, aber auch für die Personen, die kommen“, sagt Grabherr. Daher brauche es eine Willkommenskultur und für die Zuwanderer eine Orientierungshilfe. Ebenso müsse das Potenzial der bereits in Österreich lebenden Menschen besser genutzt werden. „Und damit meine ich auch jenes der bei uns lebenden Asylwerber“, erklärt Grabherr. Die Diskussion müsse also weg von der Frage „mehr oder weniger Zuwanderung“ hin zu dem Thema, wie wir unsere Möglichkeiten am besten nutzen könnten.

Integration betreffe außerdem nicht nur Neuzuwanderung, sondern auch jene Personen, die in früheren Phasen nach Österreich gekommen seien, erklärt Faßmann. Ein durchlässiges Bildungssystem sei dabei für mehr Chancengleichheit von großer Bedeutung und würde die Integration fördern.

Ob mehr oder weniger Zuwanderung, das ist nicht die Frage.

Eva Grabherr