Atompoker: Abschluss ohne Ende?

Politik / 23.11.2014 • 22:25 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

In der Frage um die Atomnutzung führt der Iran die Welt weiter an der Nase herum.

WIEN. Ganz gleich, was beim Verhandlungsmarathon in Wien im letzten Moment noch herauskommen sollte: Sieger nach Punkten bleibt die Islamische Republik Iran. Sie hält die Mächtigen der Welt jetzt schon über zehn Jahre in der Streitfrage Atomnutzung oder Atomrüstung zum Narren und hat jetzt wieder ein Jahr Verlängerung der Gespräche gefordert. In der Zeit kann Teheran aber nach Ansicht aller Experten seine ersten Nuklearwaffen unter Dach und Fach haben.

Ablehnende Haltung

Davon abgesehen gibt auch eine Vereinbarung zur wirksamen Kontrolle des iranischen Atombastelns noch gar keine Sicherheit. Was immer Außenminister Zarif im Auftrag von Präsident Rohani auch zusagen mag: Die Entscheidung darüber liegt ausschließlich bei Ayatollah Khamanei, dem obersten „Geistlichen Führer“ und Nuklearverantwortlichen.

Dessen ablehnende Haltung ließ Teherans offiziöser Moscheeprediger Ayatollah Kermani am letzten Freitag durchsickern: „Wir stimmen den Amerikanern nur in einem Punkt zu: Gar kein Abkommen ist besser als eine schlechte Vereinbarung!“ Und im neuesten Kommentar der Agentur Fars (Persien) heißt es: „Das einzige, was uns an dem ganzen Verhandlungsprozeß interessiert, ist die Aufhebung der Sanktionen gegen unsere Islamische Republik.“ Doch deren Beendigung oder Lockerung um den Preis nuklearer Konzessionen Irans wäre für diesen „mehr Verlust als Gewinn“.

Khameneis vorübergehende Billigung der Atomverhandlungen dürfte also nur ein Spiel auf Zeitgewinn gewesen sein. Doch auch die Aufrichtigkeit von Hassan Rohanis Engagement muss hinterfragt werden, wenn man es vor dem Hintergrund anderer Aussagen betrachtet. Wenn er verkündet, der herrliche Ruf „Tod Amerika“ eint sein Volk, so meint er das sicher ernst und spricht auch die Meinung fast aller Iranerinnen und Iraner aus. Sogar einer Jugend, die sonst gern amerikanischer lebte und liebte, als unter dem Tschador der schiitischen Klerisei zu stecken. Anti-Amerikanismus bleibt in Teheran der gemeinsame Nenner von Islam-Konservativen und Reformern.

Eigentlich wäre es nicht so schlimm, wenn zu Israel und Pakistan noch eine mittelöstliche Atommacht käme. Das Problem sind Irans ideologische Zielsetzungen zur Errichtung eines globalen schiitischen Gottesreiches. Für diese „heiligen“ Zweck könnte Teheran Nuklearwaffen bedenkenlos einsetzen. Islamische Republik und Islamischer Staat (IS) wollen beide Allah zum Endsieg verhelfen. Die Terrormiliz mit brutalen Steinzeitmethoden, der Iran durch gerissene Diplomatie und hochgezüchtete Militärtechnik!