Auschwitz: „Symbol und zentraler Ort des Bösen“

Politik / 27.01.2015 • 22:49 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Überlebende, Angehörige von Opfern und Staatsvertreter nahmen am Dienstag an der Gedenkveranstaltung in Auschwitz teil.  FOTO: REUTERS
Überlebende, Angehörige von Opfern und Staatsvertreter nahmen am Dienstag an der Gedenkveranstaltung in Auschwitz teil. FOTO: REUTERS

Gedenken an den 70. Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz durch Sowjetarmee.

auschwitz. (VN) In Auschwitz, Theresienstadt, Berlin und Wien wurde am Dienstag des 70. Jahrestags der Befreiung des NS-Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz durch sowjetische Soldaten am 27. Jänner 1945 gedacht. Das ehemalige Lager im heutigen Polen gilt als Symbol der Shoa. Von 1940 bis 1945 wurden dort etwa 1,1 Millionen Menschen ermordet, die Mehrheit Juden.

Ab den Morgenstunden legten Überlebende in der Erinnerungsstätte Blumen nieder und entzündeten Kerzen. Die zentrale Gedenkfeier unter Leitung des polnischen Präsidenten Bronislaw Komorowski fand am Nachmittag statt. Etwa 300 hochbetagte Überlebende, Hunderte Angehörige von Opfern und viele Staatsgäste nahmen daran teil, unter ihnen Österreichs Bundespräsident Heinz Fischer und Kanzler Werner Faymann. Russlands Staatschef Wladimir Putin indes lehnte eine Teilnahme ab. Polen zählt zu den schärfsten Kritikern Putins in der Frage des Ukraine-Konflikts.

Eine erhöhte Gefahr

Bundespräsident Fischer bezeichnete Auschwitz als „Symbol und zentralen Ort des Bösen und als eine unauslöschliche Schande“. Aus Auschwitz Konsequenzen zu ziehen, heiße all jene Institutionen zu stärken, die sich für die Achtung der Menschenrechte und Würde jedes Einzelnen einsetzen. Kanzler Faymann fügte an: „Der Gedenktag mahnt erneut, wachsam zu bleiben und autoritären Tendenzen entschlossen entgegenzutreten.“ Gerade in Zeiten der Krise bestehe die erhöhte Gefahr, dass Ressentiments gegen Minderheiten, Intoleranz, Rassismus und Antisemitismus auf fruchtbaren Boden fallen.

Der französische Präsident François Hollande verurteilte jeglichen Antisemitismus als Plage. Er versprach zugleich, dass sein Land die etwa 76.000 deportierten französischen Juden nie vergessen werde. Laut aktuellen Umfragen erwägen angesichts der Zunahme antisemitischer Angriffe viele der etwa 600.000 Juden in Frankreich inzwischen, das Land zu verlassen. Frankreich hat die größte jüdische Gemeinde in Europa.

Mit Appellen gegen Judenfeindlichkeit und Extremismus ging am Dienstag auch das Welt-Holocaust-Forum in Prag zu Ende. EU-Parlamentspräsident Martin Schulz sagte, wo immer Antisemitismus und Rassismus aufkämen, müsse man sich entgegenstellen und sagen: „Nicht mit uns!“ Der tschechische Präsident Milos Zeman warnte vor den Gefahren des islamistischen Terrors: „Uns droht ein Super-Holocaust, dem Hunderte Millionen Menschen zum Opfer fallen könnten.“ Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verglich er mit dem Nationalsozialismus der 1930er-Jahre und forderte schärfere UN-Militäraktionen gegen den IS.

30 Länder vertreten

An der Holocaust-Konferenz nahmen Parlamentsvertreter aus gut 30 Ländern teil. Danach legten die Delegierten in der KZ-Gedenkstätte Theresienstadt Kränze nieder: Dort starben während der Nazi-Besatzung rund 33.500 Menschen, mehr als 80.000 wurden in Vernichtungslager deportiert. Das Gedenken in Auschwitz endete abends mit einer Lichterzeremonie beim Totendenkmal.