IS-Geiseldrama: Aug’ um Aug’, Zahn um Zahn

Politik / 04.02.2015 • 21:47 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der IS stellte ein Video ins Internet, das die jordanische Geisel Muath al-Kasaesbeh kurz vor ihrer Ermordung zeigt.  FOTO: REUTERS
Der IS stellte ein Video ins Internet, das die jordanische Geisel Muath al-Kasaesbeh kurz vor ihrer Ermordung zeigt. FOTO: REUTERS

Nach der Ermordung einer Geisel durch den IS exekutierte Jordanien zwei Dschihadisten.

amman. (VN) Nach der Tötung einer jordanischen Geisel durch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat Jordanien umgehend reagiert und zwei Dschihadisten hingerichtet. Die Irakerin Sajida al-Rishawi, die der IS freipressen wollte, und das Al-Kaida-Mitglied Ziyad Karboli wurden am Mittwoch exekutiert, teilte die Regierung mit.

Nur Stunden zuvor war im Internet ein Video von der Ermordung des jordanischen Kampfpiloten Mouath al-Kasaesbeh aufgetaucht. Die IS-Täter verbrannten demzufolge ihr in einem Käfig eingesperrtes Opfer bei lebendigem Leib. Ein Sicherheitsvertreter in Amman erklärte daraufhin, als Reaktion werde Jordanien die Todesstrafe gegen inhaftierte Dschihadisten vollstrecken. Die verhinderte Selbstmordattentäterin Rishawi und der Extremist Karboli wurden am Mittwoch im Swaka-Gefängnis südlich der Hauptstadt Amman hingerichtet. Rishawi war nach einer Anschlagsserie auf drei Hotels mit 60 Toten in Amman Ende 2005 festgenommen worden. Im April 2006 wurde sie zum Tod verurteilt.

Der IS verlangte kürzlich die Freilassung der Dschihadistin im Gegenzug für den gefangenen jordanischen Kampfpiloten. Nach Überzeugung Ammans wurde Kasaesbeh jedoch bereits Anfang Jänner ermordet, erst danach stellte der IS seine Forderung. Amman hatte sich bereit gezeigt, auf den Tauschhandel einzugehen, zuvor aber ein Lebenszeichen des Jordaniers verlangt.

Weltweite Entrüstung

International wurde die Ermordung Kasaesbehs scharf verurteilt. US-Präsident Barack Obama empfing kurzfristig den jordanischen König Abdullah II. im Weißen Haus. Nach dem Treffen sagte ein US-Vertreter: „Der abscheuliche Mord an dem Jordanier verstärkt die Entschlossenheit im Kampf gegen den IS.“

UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon erklärte, die Verbrennung des Piloten sei eine „fürchterliche Tat“. Japans Regierungschef Shinzo Abe nannte die Tat „unverzeihlich und schockierend“. Das Schicksal Kasaesbehs war eng mit dem zweier japanischer IS-Geiseln verknüpft, die ebenfalls kürzlich von der Miliz ermordet worden waren. Auch der Iran verurteilte den Mord an dem Piloten: „Dieser brutale Mord hat weder etwas mit dem Islam noch mit Menschlichkeit zu tun“, sagte Außenamtssprecherin Marzieh Afkham.

Berichten zufolge hat der IS in Syrien und im Irak seit Anfang des Jahres fast 100 Gefangene getötet. Mehreren Opfern schlugen die Extremisten demnach den Kopf ab, andere wurden gesteinigt oder gekreuzigt.