Joints jetzt auch in der US-Hauptstadt erlaubt

Politik / 02.03.2015 • 22:44 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Marihuana für den Eigenbedarf ist in Washington erlaubt. RTS
Marihuana für den Eigenbedarf ist in Washington erlaubt. RTS

Nach Abstimmung: Neues Gesetz regelt Besitz, Anbau und Konsum von Marihuana.

washington. Für konfuse oder hirnrissige Politik-Entscheidungen in Washington gibt es ab sofort eine mögliche Erklärung: Seit der vergangenen Woche dürfen auch in der US-Hauptstadt ungestraft Joints kreisen. Ein paar konservative Kongress-Abgeordnete sind weiterhin vierkantig dagegen und sie müssen für gesetzgeberischen Unsinn andere Entschuldigungen suchen.

Im November vergangenen Jahres hatten sich bei einer Volksabstimmung fast 70 Prozent der Wähler rund ums Weiße Haus für die große Marihuana-Freiheit ausgesprochen. Worauf Bürgermeisterin Muriel Bowser, eine passionierte Nichtraucherin (Hasch, Tabak und alle anderen möglichen Kräuter), im Eiltempo eine kommunale Straffreiheits-Regelung beschließen ließ. Die Zeit drängte, denn im eine Art Oberhoheit über die Hauptstadtbelange praktizierenden Kongress bastelten Republikaner fix ein Verbotsgesetz zusammen.

Bürgermeisterin war schneller

Zum Glück für Hasch-Freunde war die Bürgermeisterin im Abstimmungswettlauf schneller. Damit ist amtlich: Jeder Hauptstadtbewohner darf sechs Marihuana-Pflanzen, drei davon erntereif, im Garten, im Keller, auf dem Balkon oder wo auch immer besitzen und bis zu 56 Gramm Hasch mit sich herumtragen. Wer in Washington wohnt und keinen Platz für eine eigene Hasch-Plantage hat oder die Stromrechnung für die notwendigen Wärme-Lampen nicht zahlen kann, muss nicht leer ausgehen: Züchter dürfen die Hälfte ihrer Ernte verschenken, aber nicht verkaufen.

Touristen in der Hauptstadt haben deshalb von der neuen Hasch-Freiheit wenig bis nichts. Denn welcher Auswärtige hat schon einen Freund in Washington? Welche Kongress-Abgeordneten demnächst Hanf-Pflanzen in ihrer Hauptstadt-Zweitwohnung pflegen oder in ihren Parlamentsbüros Gummibäume gegen Sträucher mit gezackten Blättern austauschen, muss sich erst noch zeigen.

Öffentlicher Genuss verboten

Der Genuss, oder wie man das auch immer nennen will, von Hasch in der Öffentlichkeit bleibt in Washington aber weiterhin verboten. Also, volldröhnen auf der Straße, in der Kneipe, im Auto oder in Amtsgebäuden wie dem Parlament geht nicht. Was aber eine pikante Möglichkeit eröffnet: Ex-Präsident Bill Clinton könnte, wenn seine Frau US-Präsidentin werden sollte und sie ihn lässt, in den Privaträumen des Weißen Hauses sogar inhalieren. Worauf er ja eigenen Angaben zufolge bei jugendlichen Krautexperimenten verzichtet hat.

Mit der Washingtoner Regelung gibt es im Land der beschränkten Hasch-Freiheit nach Colorado und Alaska damit drei Cannabis-Inseln. In 21 US-Bundesstaaten gelten Besitz, Handel und Gebrauch von Marihuana weiterhin als mit mehrjährigen Zuchthausstrafen bedrohte Verbrechen. In mehr als der Hälfte der Bundesstaaten dürfen sich chronisch Kranke immerhin aus medizinischen Gründen mit Stoff versorgen. Sozusagen Joints und Haschplätzchen auf Rezept. Was letztlich die Frage aufwirft, ob andere Länder vielleicht mehr von den Amerikanern lernen könnten, als oft angenommen wird.