Blutiger Terror an Universität in Kenia

Politik / 02.04.2015 • 22:44 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Verzweiflung über den heimtückischen Anschlag stand Betroffenen und Rettern ins Gesicht geschrieben.  Foto: EPA
Die Verzweiflung über den heimtückischen Anschlag stand Betroffenen und Rettern ins Gesicht geschrieben. Foto: EPA

Tragisches Ende.
147 Studenten starben im Kugelhagel somalischer Islamisten.

Nairobi. (VN) Viele Studenten schlafen noch, als Islamisten eine Universität in Kenia stürmen. Willkürlich eröffnen sie das Feuer und nehmen Geiseln. Die schreckliche Bilanz nach einer stundenlangen Belagerung: Fast 150 Tote. Kenia steht unter Schock. Beim bisher blutigsten Angriff somalischer Islamisten auf kenianischem Boden sind am Donnerstag 147 überwiegend junge Menschen ums Leben gekommen. Schwer bewaffnete Männer stürmten am frühen Morgen eine Universität in der Stadt Garissa im Südosten des Landes und richteten ein Blutbad unter den Studenten an. Anschließend verschanzten sie sich mit zahlreichen Geiseln in einem Wohnheim auf dem Campus. Erst viele Stunden später gelang es Sicherheitskräften, das Drama zu beenden.

Schlafsäle gestürmt

Unter den Opfern sind nach Angaben des Innenministeriums in Nairobi auch die vier Täter. Mindestens 79 Menschen wurden verletzt, 587 Studenten konnten gerettet werden. UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon verurteilte den Angriff scharf. Zu der Tat bekannte sich die Islamistenmiliz Al-Shabaab aus dem Nachbarland Somalia. Ein ranghoher Sprecher der Gruppe sagte der Deutschen Presse-Agentur, es habe sich um „eine heilige Operation“ gehandelt. Weitere Details wollte der Mann, der sich in der Region Lower Juba im Süden Somalias aufhält und anonym bleiben wollte, nicht nennen. Offizielle Stellungnahme gab es keine.

Zeugen berichteten, die Täter hätten am Morgen zunächst die Moschee der Universität von Garissa attackiert und das Feuer auf die Anwesenden eröffnet. Später drangen sie offenbar in die Schlafsäle vor. Als Drahtzieher der Attacke gilt ein in Kenia geborener Islamist, der im vergangenen Jahr bereits an den Anschlägen auf Zivilisten im Bezirk Mandera im Nordosten Kenias beteiligt gewesen sein soll. Dabei waren 60 Menschen ums Leben gekommen. Die Polizei leitete eine Großfahndung nach Mohamed Kuno ein, der als einer der Top-Kommandeure der Al-Shabaab gilt. Auf die Ergreifung Kunos, der auch unter dem Namen Mohamed Dulyadin bekannt ist, wurde eine Belohnung von 20 Millionen kenianischen Schilling (198.000 Euro) ausgesetzt.

„Die Angreifer haben sich den Weg zum Haupttor der Universität Garissa gebahnt, indem sie die Sicherheitskräfte am Eingang gegen 5.30 Uhr niedergeschossen haben“, hieß es in einer Polizeimitteilung. Anschließend sei es zu schweren Schusswechseln gekommen. Stundenlang versuchte das Militär, die Geiseln zu befreien.

Die Al-Shabaab verübt seit Jahren immer wieder Anschläge in Kenia, weil das Land mit Truppen gegen die Extremisten im Einsatz ist. Im März wurde einer der Top-Kommandeure in Mogadischu festgenommen, ein anderer im Südwesten des Landes bei einem Drohnenangriff getötet.

Die islamistische Terrormiliz kämpft am Horn von Afrika für einen sogenannten Gottesstaat. Sie terrorisiert Christen und gemäßigte Muslime. Die Organisation hat Verbindungen zu Al-Kaida und kooperiert in Afrika mit den Islamisten von Boko Haram, die in Nigeria blutigen Terror verbreiten. Auch im Touristenland Kenia verübt sie immer wieder Anschläge. Erst im Dezember hatten Unbekannte eine Granate in ein Café in Garissa geworfen und zwei Menschen verletzt. Im April 2013 attackierten vier Männer ein Hotel in der Stadt und töteten sechs Menschen. Bei einem Angriff auf das Einkaufszentrum Westgate in Nairobi waren im September 2013 mindestens 67 Menschen ums Leben gekommen.

Tourismus bricht ein

Der anhaltende Terror hat nicht nur den Tourismus im einstigen Safariparadies zum Erliegen gebracht, auch die Behörden wirken hilflos im Kampf gegen die Islamisten. Erst in der vergangenen Woche hatte die Regierung angekündigt, die Kontrollen an der 700 Kilometer langen Grenze zu Somalia drastisch zu verstärken: mit der Einrichtung von Pufferzonen, elektronischen Überwachungen und mehr Patrouillen.

Die Verzweiflung über den heimtückischen Anschlag stand Betroffenen und Rettern ins Gesicht geschrieben.  Foto: EPA
Die Verzweiflung über den heimtückischen Anschlag stand Betroffenen und Rettern ins Gesicht geschrieben. Foto: EPA