Weltweit Feste und auch Proteste am 1. Mai

Politik / 01.05.2015 • 22:43 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Bei der von Arbeitnehmerverbänden und SPÖ organisierten 1.-Mai-Feier in Wien wird mit roten Besen gekehrt.  AP
Bei der von Arbeitnehmerverbänden und SPÖ organisierten 1.-Mai-Feier in Wien wird mit roten Besen gekehrt. AP

Internationale Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung feiert seit 125 Jahren den Tag der Arbeit.

WIEN. (VN) 1890 machten Arbeiter erstmals mit weltweiten Massendemonstrationen unter dem Motto „Heraus zum 1. Mai“ auf ihre Forderungen aufmerksam. 1891 beschloss der Brüsseler Kongress, den 1. Mai fortan alljährlich zu begehen – als „Festtag der Arbeiter aller Länder, an dem die Arbeiter die Gemeinsamkeit ihrer Forderungen und ihre Solidarität bekunden sollen“. Heute ist der „Tag der Arbeit“ in zahlreichen Ländern, unter anderem Österreich, ein gesetzlicher Feiertag.

Gewalt in Berlin und Istanbul

Weltweit gab es am Freitag neben Feiern auch Protestaktionen, wobei es in Deutschland und der Türkei zu gewalttätigen Ausschreitungen kam. Bei einem Überfall Rechtsextremer auf die DGB-Maikundgebung in Weimar sind laut Polizei 15 Personen verletzt und 29 festgenommen worden. Die Angreifer bedrängten auch den SPD-Bundestagsabgeordneten Carsten Schneider, der gerade eine Rede halten wollte.

In Istanbul ist es trotz massiven Polizeiaufgebots Regierungsgegnern gelungen, auf den abgeriegelten Taksim-Platz vorzudringen. Sie wurden von der Polizei mit Schlagstöcken vertrieben. In einem anderen Stadtteil hätten Demonstranten brennende Barrikaden errichtet. Die Polizei setzte Tränengas ein. Bilanz der Zusammenstöße: 24 Verletze, 203 Festnahmen.

In Österreich gab es Klassenkampftöne in der Debatte über die hohe Arbeitslosigkeit. In der Frage der nötigen Maßnahmen prallten die unterschiedlichen Ansichten von Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern aufeinander. So wandte sich der Präsident der Industriellenvereinigung, Georg Kapsch, strikt gegen Arbeitszeitverkürzung oder leichtere Erreichbarkeit der sechsten Urlaubswoche.

ÖGB-Präsident Erich Foglar forderte indes „nachhaltige Investitionen in soziale Infrastruktur und eine Bildungs­offensive“ – aber auch eine neue Verteilung der Arbeit, Arbeitszeitverkürzung und eine sechste Urlaubswoche.

SPÖ für sechste Urlaubswoche

Bei der traditionellen Maikundgebung der SPÖ am Wiener Rathausplatz betonte der Vorsitzende, Bundeskanzler Werner Faymann, dass „die Sozialdemokratie über Jahrzehnte hindurch soziale Netze und Rechte der Arbeitnehmer geschaffen hat, die der eigentliche Grundstein unseres Reichtums in Österreich sind.“ Er bekräftigte auch, dass „für die sechste Urlaubswoche und faire Arbeitsverhältnisse jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen ist“.

ÖVP-Parteiobmann Reinhold Mitterlehner lehnt in seiner 1.-Mai-Ansprache in die „Vergangenheit“ gerichtete Vorschläge, wie Arbeitszeitverkürzung oder eine sechste Urlaubswoche für alle, ab. Die ÖVP wolle Reformen, etwa bei den Pensionen.