Gefangen, krank und dann exekutiert

Politik / 11.05.2015 • 22:53 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Ein Enthüllungsjournalist stellt ide offizielle Version vom Tod des Terrorchefs Osama bin Laden infrage. FOTO: AP
Ein Enthüllungsjournalist stellt ide offizielle Version vom Tod des Terrorchefs Osama bin Laden infrage. FOTO: AP

US-Aufdeckungsjournalist stellt offizielle Version von Osama bin Ladens Tod infrage.

London. (VN) Ein bekannter US-Journalist hat Präsident Barack Obama „Lügen“ im Zusammenhang mit dem Tod von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden vor vier Jahren vorgeworfen. Bei der Vorbereitung und Ausführung des tödlichen Angriffs durch US-Elitetruppen im pakistanischen Abbottabad im Mai 2011 hätten Pakistans Armee und Geheimdienst eine stärkere Rolle gespielt, als bisher bekannt sei, schrieb Seymour Hersh in der „London Review of Books“. Er beruft sich auf Angaben eines namentlich nicht genannten ehemaligen US-Geheimdienstmitarbeiters. Neu in seiner Darstellung: Bin Laden soll damals bereits seit Jahren Gefangener des pakistanischen Geheimdienstes ISI gewesen sein. Zudem sei er schwer erkrankt gewesen und es soll auch keine Gegenwehr gegeben haben. Laut Hersh sollen die USA einem pakistanischen Geheimdienstmitarbeiter eine Prämie in Höhe von 25 Millionen Dollar gezahlt haben. Dieser habe daraufhin bin Ladens Aufenthaltsort preisgegeben. Auch soll den Ausführungen des mehrfach ausgezeichneten US-Journalisten zufolge fraglich sein, ob die Leiche des damals weltweit meist gesuchten Topterroristen tatsächlich auf See bestattet wurde.

Kritiker bemängeln an Hershs Ausführungen allerdings, dass er sich im Wesentlichen auf den einen anonymen Geheimdienstmitarbeiter beruft. Namentlich in Hershs Text genannte Quellen widersprechen der Version zwar nicht, sie legen aber auch keine konkreten Beweise vor, die sie stützen würden.

Washington hatte bisher angegeben, Osama bin Laden ohne Kenntnis der pakistanischen Behörden im Alleingang getötet zu haben. Drei ehemalige Soldaten der US-Elitetruppe „Navy Seals“ haben inzwischen in veröffentlichten Berichten die tödlichen Schüsse auf den Terroristenführer der Al-Kaida ausführlich geschildert.

US-Präsident Obama habe die Geschichte über die Umstände des Todes des einst meistgesuchten Manns der Welt bewusst verdreht, um daraus politisch Kapital schlagen zu können, mutmaßt Hersh. Der Tod des gesuchten Terroristen bin Laden habe bei der Wiederwahl Obamas 2012 eine entscheidende Rolle gespielt.

Ausgezeichneter Aufdecker

Der Militärexperte Hersh, der für die Zeitung „The New Yorker“ arbeitet, hat sich mit Enthüllungsjournalismus einen Namen gemacht. Weltbekannt wurde Hersh bereits 1969, als er während des Viet­nam-Krieges das Massaker von My Lai aufdeckte. Dafür erhielt er 1970 den Pulitzer-Preis. Er berichtete 2004 als erster über den Misshandlungs- und Folterskandal im US-Militärgefängnis von Abu Ghuraib bei Bagdad.

Das Weiße Haus dementierte am Abend eine pakistanische Verwicklung in die bin-Laden-Tötung. „Das war durch und durch ein US-Einsatz.“ Jede andere Darstellung sei „schlicht falsch“.

Ein Enthüllungsjournalist stellt die offizielle Version vom Tod des Al-Kaida-Terrorchefs Osama bin Laden vor vier Jahren jetzt infrage.  FOTO: AP
Ein Enthüllungsjournalist stellt die offizielle Version vom Tod des Al-Kaida-Terrorchefs Osama bin Laden vor vier Jahren jetzt infrage. FOTO: AP