Terrorangriff mit gezieltem Timing?

Politik / 15.05.2015 • 22:48 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Der Traum der ethnischen Albaner, von ihnen besiedelte Gebiete vom Kosovo über Serbien, Mazedonien, Montenegro und Griechenland mit dem Mutterland zu einem Großalbanien zusammen zu schließen ist weder neu, noch wurde er je begraben. Allerdings lässt der Zeitpunkt der Gefechte vor einer Woche in der mazedonischen Stadt Kumanovo zwischen albanischen Guerillas in Uniformen der aufgelösten paramilitärischen Albanischen Kosovo-Befreiungsarmee UÇK (Ushtria Çlirimtare e Kosovës) mit mazedonischen Sicherheitskräften einen übergeordneten Interessenkonflikt zumindest vermuten. Mit dem „Sieg der Sicherheitskräfte über die gefährlichste Terrorgruppe auf dem Balkan“ will der mazedonische Ministerpräsident Nikola Gruewski das Abschlachten Tausender Menschen verhindert haben. Postwendend wurde Gruewski vom Kosovo und von Albanien vorgeworfen, einen ethnischen Konflikt zu provozieren und Albaner zu verfolgen, um seine wackelige Macht zu sichern. Diese These mutet insofern seltsam an, da die Albanerpartei DUI Koalitionspartner der Regierung in Skopje ist.

Um hier Hintergründe sichtbar zu machen, ist ein Blick zurück auf die Jugoslawienkriege (1991 – 1999) notwendig, als Tausende ethnische Albaner auf Seiten Kroatiens oder der Muslimisch-kroatischen Föderation Bosniens gegen die Serben kämpften. Ein Teil dieser Kämpfer schloss sich 1994 der UÇK an, die zur Errichtung Großalbaniens systematisch Waffen kaufte und Kämpfer ausbildete. Im Kosovokrieg 1999 verbündete sich die UÇK mit der NATO, die über die CIA und westliche Militär-Ausbilder in ständigem Kontakt mit der albanischen Armee stand. Auch von der britischen SAS wurden UÇK-Kämpfer ausgebildet und mit NATO-Kommunikationsmitteln ausgerüstet. Auf den Rückzug der serbischen Streitkräfte folgte der Einmarsch der NATO in den heute noch rechtsstaatlosen Kosovo. Die NATO-geführte KFOR ließ keine eigene Kosovo-Armee zu und die UÇK am 20. September 1999 offiziell auflösen. Tatsächlich bauten kosovarische Milizionäre paramilitärische Strukturen auf. Bereits 2001 gab es im Norden Mazedoniens einen Aufstand ethnischer Albaner, der mit dem Ohrid-Abkommen endete, das den Albanern mehr Rechte zusagte. Die heutigen Guerillakämpfer erkennen dieses Abkommen jedoch nicht an. Die Lage bleibt angespannt.

Auf einem solchen Pulverfass Stellvertreterkonflikte anzuzünden, ist für Drahtzieher ein Leichtes: Kosovo und Albanien pochen auf eine rasche EU-Integration und sind eng mit den USA verbandelt. Diese errichteten nach dem NATO-Einmarsch 1999 im Kosovo in Ferizaj den gigantischen Militärstützpunkt Camp Bondsteel, der wegen schweren Menschenrechtsverletzungen im Gefangenenlager immer wieder Negativschlagzeilen macht.

Mazedonien, Serbien und Griechenland hingegen unterhalten freundschaftliche Beziehungen zu Moskau. Der Ukraine-Konflikt beendete das „South Stream“-Projekt mit der Pipeline durch Bulgarien. Die russische Gesellschaft
Strojtransgas orientierte sich kurzerhand um und führt nun das Transportsystem durch Mazedonien, um über Griechenland an den „Turkish Stream“ anschließen zu können. Das ermöglicht für Mazedonien, Serbien und Ungarn auf Basis des Hubs im österreichischen Baumgarten den Gasbezug über diese „South Stream“-Alternative. Serbien warnt seit Monaten vor Angriffen militanter Albaner. Das Moskauer Außenministerium bezeichnet die aktuellen Unruhen als weiteren Destabilisierungsversuch des Westens.

Was bleibt ist die Hoffnung, dass sich sowohl in der Ukraine als auch am Balkan bald die vernünftigen Kräfte durchsetzen, im Dialog einen friedlichen Weg einschlagen und die Kriegstreiberei beenden.

Vernünftige Kräfte müssen im Dialog Kriegstreiberei beenden.