Flüchtlingsdrama in Ägäis nimmt kein Ende

Politik / 17.08.2015 • 22:48 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Einsatzkräfte der Küstenwache holen am Montag erneut aus dem Mittelmeer gerettete Flüchtlinge im Hafen von Kos sicher an Land. Foto: AP
Einsatzkräfte der Küstenwache holen am Montag erneut aus dem Mittelmeer gerettete Flüchtlinge im Hafen von Kos sicher an Land. Foto: AP

Toter an Badestrand in Kos, erneut Flüchtlingsboot im Mittelmeer gekentert.

athen. (VN) Kein Ende des Flüchtlingsdramas in der Ägäis. Innerhalb von nur drei Tagen sind auf verschiedenen griechischen Ägäisinseln insgesamt 1728 Flüchtlinge aufgegriffen worden. Die Menschen stammten überwiegend aus Syrien, berichteten die Behörden am Montag.

Neben den größeren Inseln wie Lesbos, Chios und Samos kamen Flüchtlinge auch auf den kleineren Eilanden Agathonisi, Kalolimnos und Megisti an. Die Mehrzahl wolle nach West- und Nordeuropa weiterreisen, hieß es. Griechische Medien berichteten unter Berufung auf die Küstenwache, es werde bis zum Jahresende mit bis zu 250.000 Flüchtlingen aus dem Nahen Osten gerechnet. Der griechische Geheimdienst EYP sei bereits auf den Inseln aktiv. Es werde kontrolliert, ob „terroristische Elemente“ als Flüchtlinge in Europa eingeschleust werden, hieß es am Montag im griechischen Rundfunk.

Auf der Insel Lesbos sind laut Behörden in den vergangenen Wochen an die 10.000 Migranten angekommen. Hunderte von ihnen schlafen rund um den Hafen. Obwohl viele Menschen bereits registriert sind, können sie nicht aufs Festland, weil die Fähren wegen der Tourismus-Hochsaison ausgebucht sind. Staatsminister Alekos Flambouraris teilte mit, eine eigene Flüchtlingsfähre auch nach Lesbos zu schicken.

Auf der Ferieninsel Kos wurden bis Montagabend bereits mehr als 1200 Menschen an Bord einer im Hafen liegenden Fähre gebracht. Priorität haben Kinder und ihre Mütter sowie Familien. Das Schiff war am Freitag angekommen und dient zur Registrierung und befristeten Unterbringung syrischer Kriegsflüchtlinge. Insgesamt sollen 2500 Menschen untergebracht werden. An einem Badestrand von Kos wurde am Montag die Leiche eines 16-jährigen syrischen Flüchtlings gefunden – verdurstet.

„So kann es nicht weitergehen. Wir brauchen dringend Hilfe“, sagte im Rundfunk der Chef der griechischen Sektion von Ärzte ohne Grenzen, Nikitas Kanakis. Humanitäre Hilfe sei neben den Ägäisinseln und in Aufnahmelagern in Athen auch
am Eisenbahn-Grenzübergang von Griechenland nach Mazedonien vonnöten. Dort haben sich Hunderte Flüchtlinge versammelt, die versuchen, über die Grenze nach Mazedonien zu kommen, um anschließend mit dem Zug in die EU weiterzureisen.

Migranten unter Deck erstickt

Unterdessen spielte sich vor der libyschen Küste südlich der italienischen Insel Lampedusa ein neues Flüchtlingsdrama ab: Mindestens 50 Migranten sind eingesperrt im Laderaum eines in Seenot geratenen Bootes an Abgasen erstickt. Mehr als 300 Menschen seien gerettet worden, darunter viele Frauen und Kinder, teilte Italiens Marine mit. Das Flüchtlingsboot sei heillos überladen gewesen.