500 Bootsflüchtlinge gerettet

Politik / 19.08.2015 • 22:50 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Tägliche Szenen am Badestrand von Lesbos: Afghanische Flüchtlinge retten sich zu Hunderten mit Booten an die sichere Küste. Foto: Reuters
Tägliche Szenen am Badestrand von Lesbos: Afghanische Flüchtlinge retten sich zu Hunderten mit Booten an die sichere Küste. Foto: Reuters

Flüchtlingsdrama auf griechischen Ferieninseln spitzt sich zu. Regierung hilflos.

athen. (VN) Die griechische Küstenwache hat im Mittelmeer mehr als 500 Flüchtlinge gerettet. Die Migranten seien bei 14 Einsätzen vor den ostägäischen Inseln Lesbos, Chios, Agathonissi, Samos, Farmakonissi und Kos aufgegriffen worden, teilte die Küstenwache am Mittwoch mit. Aus einem Schlauchboot mit 54 Flüchtlingen sei ein zweijähriges Kind bewusstlos geborgen und ins Krankenhaus gebracht worden.

Allein in der vergangenen Woche waren nach Angaben des UN-Hochkommissariats für Flüchtlinge (UNHCR) fast 21.000 Flüchtlinge von der türkischen Küste über das Meer nach Griechenland gekommen. Seit Januar sind bereits 160.000 Flüchtlinge nach Griechenland gelangt, die meisten von ihnen stammen aus Syrien und Afghanistan. Im vergangenen Jahr waren es 43.500, wie aus Aufstellungen des UNHCR hervorgeht. Kaum einer der Flüchtlinge will in Griechenland bleiben, das wegen der Schuldenkrise mit einer Arbeitslosenquote von 26 Prozent zu kämpfen hat. Stattdessen versuchen sie über Mazedonien und den Balkan in Richtung Österreich, Deutschland und Skandinavien zu gelangen.

„Krise wird immer schlimmer“

„Wir warnen seit Monaten, dass die Flüchtlingskrise in Griechenland immer schlimmer wird“, sagte UNHCR-Sprecher William Spindler. „Die Infrastruktur für Aufnahme, Betreuung und Registrierung auf den griechischen Inseln und auf dem Festland muss dringend gestärkt werden.“ Die UN-Organisation rät der Regierung in Athen, ein Sondergremium zu schaffen, das alle Aktivitäten zur Aufnahme und Unterstützung der Flüchtlinge koordiniert. „EU-Staaten sollten Griechenland dabei unterstützen“, fordert Spindler.

Die Behörden auf den griechischen Inseln sind von der schieren Masse der Migranten heillos überfordert. Weil in der Ferienzeit viele Fähren ans Festland ausgebucht sind, kommen die Flüchtlinge auch oft nicht von dort weg. Um die Lage auf Kos zu entspannen, hat die Fähre „Eleftherios Venizelos“ auf Anordnung der Regierung in Athen die griechische Ferieninsel am Mittwoch mit rund 1800 Migranten an Bord in Richtung Thessaloniki verlassen. Wie der griechische Rundfunk weiter meldete, sollen bei Zwischenstopps in Leros und Kalymnos weitere rund 1000 bis 1200 Migranten aufgenommen werden.

Erneute Proteste auf Kos

Auf Kos kam es am Mittwoch erneut zu Protesten. Flüchtlinge aus Irak, Pakistan und Ländern Nordafrikas protestierten gegen die Behörden-Entscheidung, zunächst nur Syrer aus Kos abreisen zu lassen. Die Demonstranten versammelten sich vor der Polizeistation und forderten lautstark, dass auch sie die Insel verlassen können. Ausschreitungen gab es nicht.

„Alle Migranten wollen Griechenland wieder verlassen“, sagte der griechische Gesundheitsminister Panagiotis Kouroublis im Fernsehen. Er besuchte am Mittwochmorgen die Insel Lesbos, auf der seit Tagen fast 8000 Migranten ausharren. Eine Hilfsorganisation hat vor einer dramatischen Zuspitzung der Flüchtlingskrise auf der griechischen Urlaubsinsel Lesbos gewarnt. Die Insel in der Nord-Ägäis stehe „am Rande des Zusammenbruchs“, erklärte das International Rescue Committee (IRC). Die Zahl der Flüchtlinge sei in den vergangenen Tagen „dramatisch“ gestiegen. Wenn nicht bald weitere Schiffe zur Verfügung gestellt würden und der Andrang weiter anhalte, könnten bis zu 20.000 Flüchtlinge auf der 90.000-Einwohner-Insel stranden, auf der sich im Sommer zudem Tausende Touristen aufhalten.

Weitere Asyl-Fährschiffe

Nach Informationen aus Kreisen der Küstenwache sollen bald zwei weitere Fährschiffe Fahrten durch die Ägäis machen, um Tausende Migranten von den Inseln aufs Festland zu bringen.