Entsetzen über Massengrab im Schlepper-Lkw

Politik / 27.08.2015 • 22:59 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ein ASFINAG-Mitarbeiter entdeckte den ungarischen Lkw, der vermutlich am Mittwoch abgestellt wurde. EPA
Ein ASFINAG-Mitarbeiter entdeckte den ungarischen Lkw, der vermutlich am Mittwoch abgestellt wurde. EPA

Bis zu 50 Flüchtlinge tot auf der Ostautobahn gefunden. Vom Lenker fehlt jede Spur.

Eisenstadt. Eine Flüchtlingstragödie unfassbaren Ausmaßes erschüttert Österreich: In einem auf der Ostautobahn (A4) im Burgenland abgestellten Lkw stieß die Polizei auf Dutzende Leichen. Im Lkw müssen die Menschen, die auf Schutz und Hilfe hofften, einen qualvollen Todeskampf erlebt haben.

Das Fahrzeug mit ungarischem Kennzeichen und der Werbeaufschrift einer slowakischen Firma – es soll vor mehreren Monaten nach Ungarn verkauft worden sein – wurde auf einem Pannenstreifen in der Nähe von Parndorf abgestellt. Dies dürfte bereits am Mittwoch passiert sein. Vom Lenker gibt es bislang keine Spur.

Todesursache noch offen

Es war ein Mitarbeiter der Asfinag, der auf den Lkw aufmerksam wurde. Er informierte die Polizei. Bei ihrem Eintreffen trat bereits Verwesungsflüssigkeit aus der Ladefläche, berichtete Landespolizeidirektor Hans Peter Doskozil. „Wir können zum jetzigen Zeitpunkt keine konkreten Angaben machen, wie der Tod eingetreten ist.“

„Heute ist ein dunkler Tag und unsere Gedanken sind bei den Opfern, bei den Familien der Opfer und auch bei den Freunden“, sagte Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP), die am Donnerstag nach Eisenstadt eilte, um gemeinsam mit Doskozil in einer Pressekonferenz zu informieren. Doch zu diesem Zeitpunkt konnten noch keine genauen Angaben zur Tragödie gemacht werden. Geschätzt wurde, dass im Wagen zwischen 30 und 50 Flüchtlinge den Tod gefunden hatten. Erst heute, Freitag, könne die Polizei die genaue Anzahl bekannt geben. Mikl-Leitner kündigte verstärkte Kontrollen in den internationalen Zügen und im grenznahen Raum an. Es sei wichtig, dass nicht nur Österreich mit Härte gegen Schlepper vorgehe, sondern auch die anderen 27 EU-Staaten. „Schlepper sind Kriminelle. Und wer jetzt noch immer meint, dass es sanftmütige Fluchthelfer sind, dem ist nicht zu helfen.“

Tatortarbeit dauert noch Tage

Die Polizei steht am Beginn ihrer Ermittlungsarbeit. Am späten Donnerstagnachmittag traf am Tatort ein Abschleppwagen ein. Das Fahrzeug wurde in eine von der Asfinag zur Verfügung gestellte Halle gebracht. Dort werde man Leiche um Leiche bergen.

Allein die Tatortarbeit nach dem Tod einer so großen Anzahl von Menschen werde Tage dauern, hatte Gerald Tatzgern, Leiter der Zentralstelle zur Bekämpfung der Schlepperkriminalität und des Menschenhandels im Bundeskriminalamt, gesagt. Der Laster und dessen Umgebung müssten an Ort und Stelle akribisch kriminaltechnisch untersucht werden, um alle Beweismittel zu sichern und keine Spuren zu zerstören, bevor er weggebracht werde.

Die Toten würden auch dahingehend untersucht, ob Fremdeinwirkung im Spiel war. Fragen zur Nationalität, dem Alter und dem möglichen Todeszeitpunkt konnte der Leiter der Staatsanwaltschaft nicht beantworten: „Eine Obduktion wurde in die Wege geleitet.“ Aus Ungarn kamen am Nachmittag schon erste konkrete Hinweise. Das Nummernschild des Lkw soll von einem Rumänen in der ungarischen Stadt Kecskemet beantragt worden sein, sagte Janos Lazar, Stabschef von Premier Viktor Orban. Das rumänische Außenministerium dementierte später. Nach ersten Informationen sei kein rumänischer Staatsbürger verwickelt. Auch der Mann, der das Nummernschild beantragt hat, sei kein Rumäne.

Mit einem Gedenkgottesdienst im Stephansdom soll am Montag der Opfer gedacht werden.