13.000 Migranten nach Deutschland

Politik / 06.09.2015 • 22:35 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Dass so viele Flüchtlinge auf einmal ankommen, hat diese Polizistin an einem Frankfurter Bahnhof nicht erwartet. Foto: reuters
Dass so viele Flüchtlinge auf einmal ankommen, hat diese Polizistin an einem Frankfurter Bahnhof nicht erwartet. Foto: reuters

München ist wichtigstes Ankunftsziel. Die Lage in Österreich hat sich entspannt.

BUDAPEST, WIEN, MÜNCHEN. Rund 14.000 Flüchtlinge sind an diesem Wochenende via Ungarn nach Österreich gekommen. 12.000 von ihnen seien bereits weitergereist, informierte der Sprecher des Innenministeriums, Karl-Heinz Grundböck, am Sonntagabend.

Ausnahmeregelung

In der Nacht auf Samstag hatte ein Ansturm auf den Grenzübergang Nickelsdorf eingesetzt, nachdem Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundeskanzler Werner Faymann am Freitagabend in Absprache mit der ungarischen Regierung eine Ausnahmeregelung vereinbart hatten. Demnach durften die Flüchtlinge ohne bürokratische Hürden und Kontrollen in Österreich und von dort in Deutschland einreisen. Wien verwies auf eine „Notlage“ an der ungarischen Grenze.

Doch nur wenige Migranten bleiben in Österreich. Laut Grundböck seien gerade rund 30 Asylanträge gestellt worden. Die meisten Flüchtlinge wollen nach Deutschland weiterziehen. So wurden Tausende mit Bussen von Nickelsdorf nach Graz, Wien und Salzburg gebracht, von wo sie mit ÖBB-Zügen nach Deutschland weiterreisten.

In Deutschland kamen am Samstag und Sonntag laut Bundesinnenministerium mindestens 13.000 Flüchtlinge an. Das wichtigste Ankunftsziel war der Hauptbahnhof in München.

Dort wurden die Flüchtlinge bei ihrer Ankunft von etlichen Bürgern freundlich mit Beifall begrüßt. Dutzende Freiwillige halfen den teils erschöpften Menschen, die hauptsächlich aus Syrien, Pakistan und Afghanistan stammten, darunter viele Kinder.

Provisorische Verteilung

Mit einem Sonderzug wurden die Neuankömmlinge zum S-Bahnhof Donnersbergerbrücke in der westlichen Münchner Innenstadt gebracht. Dort hat die Regierung von Oberbayern eine ehemalige Bahn-Lagerhalle zur provisorischen Verteilungs-Drehscheibe umgerüstet. Die Flüchtlinge wurden dort medizinisch betreut und mit Essen und Trinken versorgt. Viele der Migranten wurden von dort direkt in andere Bundesländer gebracht, wo die Behörden zusätzliche Unterkünfte bereitstellten.

Im Vergleich zum Samstag waren am Sonntag weitaus weniger Migranten auf Straßen oder in Zügen in Richtung Österreich unterwegs. So sind die ÖBB, nachdem der Flüchtlingszustrom aus Ungarn nachgelassen hat, am Sonntagnachmittag auf der Westbahnstrecke, also von Wien Richtung Deutschland, zum Regelbetrieb zurückgekehrt. Sonderzüge würden vorläufig nicht mehr benötigt.

Ticket ohne Visum

In Ungarn dürfen Flüchtlinge seit Sonntag wieder reguläre Züge nach Westeuropa nutzen. Die Behörden verlangten für den Kauf von Zugtickets kein Visum des Ziellands mehr. Der Kurswechsel kam überraschend. Vergangene Woche hatte Ungarn zunächst einige Flüchtlinge reisen lassen, dann aber Tausende davon abgehalten, mit dem Zug weiterzufahren. Nach tagelangem Warten machten sich die Verzweifelten zu Fuß zur österreichischen Grenze auf. Schließlich brachten sie ungarische Busse dorthin.

Nach diesem angesichts der Flüchtlingskrise außergewöhnlichen Wochenende hat Bundeskanzler Faymann nun das schrittweise Ende der Notmaßnahmen angekündigt. Es werde wieder stichprobenartige Kontrollen an den österreichischen Grenzen zu Ungarn geben, wenn der große Ansturm vorbei sei. Ein konkreter Zeitpunkt wurde nicht genannt.

„Wir haben immer gesagt, das ist eine Notsituation, in der wir rasch und menschlich handeln müssen“, erklärte Faymann nach laufenden, intensiven Gesprächen mit Merkel und einem Telefonat mit dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban.

Welle der Hilfsbereitschaft

Nachdem sich die Lage an den österreichischen Bahnhöfen entspannt hat, bedankt sich Gerry Foitik, Bundesrettungskommandant des Österreichischen Roten Kreuzes, bei den vielen Tausenden Menschen in Österreich für die „unglaubliche Welle der Hilfsbereitschaft“.

Foitik bat darum, für die nächsten Stunden von weiteren spontanen Sachspenden derzeit abzusehen, weil die Lager bis an den Rand gefüllt seien. Gleichzeitig forderte er die Bevölkerung auf, das Engagement für die nächsten Tage aufrecht zu halten. Denn in den nächsten Tagen und Wochen würden noch viele Menschen vor Krieg und Terror flüchten und nach Europa kommenn.

Zur absehbaren Lage sagte Foitik, die ungarischen Behörden sprachen davon, dass zwischen 5000 und 7000 Menschen an der ungarisch-serbischen Grenze seien, die sie im Lauf der nächsten 24 Stunden passieren lassen.

Es gibt täglich Tausende Anrufe aus der Bevölkerung mit der Frage, wo geholfen werden kann. EIne solche Soliodarität habe ich bisher nur bei den schweren Hochwassern in Österreich erlebt.
              Gerry Foitik, RK-Bundesrettungs­kommandant

Es gibt täglich Tausende Anrufe aus der Bevölkerung mit der Frage, wo geholfen werden kann. EIne solche Soliodarität habe ich bisher nur bei den schweren Hochwassern in Österreich erlebt.

Gerry Foitik,
RK-Bundesrettungs­kommandant

Es gibt täglich Tausende Anrufe aus der Bevölkerung mit der Frage, wo geholfen werden kann. EIne solche Soliodarität habe ich bisher nur bei den schweren Hochwassern in Österreich erlebt.
              Gerry Foitik, RK-Bundesrettungs­kommandant

Es gibt täglich Tausende Anrufe aus der Bevölkerung mit der Frage, wo geholfen werden kann. EIne solche Soliodarität habe ich bisher nur bei den schweren Hochwassern in Österreich erlebt.

Gerry Foitik,
RK-Bundesrettungs­kommandant

Österreich wird gemeinsam mit Deutschland auf europäischer Ebene eine zentrale Rolle einnehmen, um faire Asylverfahren sicherzustellen und durch eine EU-Quote eine faire Verteilung der Asylwerber zu erreichen.
              Werner Faymann, Bundeskanzler

Österreich wird gemeinsam mit Deutschland auf europäischer Ebene eine zentrale Rolle einnehmen, um faire Asylverfahren sicherzustellen und durch eine EU-Quote eine faire Verteilung der Asylwerber zu erreichen.

Werner Faymann,
Bundeskanzler

Österreich wird gemeinsam mit Deutschland auf europäischer Ebene eine zentrale Rolle einnehmen, um faire Asylverfahren sicherzustellen und durch eine EU-Quote eine faire Verteilung der Asylwerber zu erreichen.
              Werner Faymann, Bundeskanzler

Österreich wird gemeinsam mit Deutschland auf europäischer Ebene eine zentrale Rolle einnehmen, um faire Asylverfahren sicherzustellen und durch eine EU-Quote eine faire Verteilung der Asylwerber zu erreichen.

Werner Faymann,
Bundeskanzler

Ich fordere, dass Asylsuchende ihre Anträge künftig schon in ihrem Heimatland stellen können. Mit der derzeitigen Praxis betreibt die Europäische Union so etwas wie ein Schlepper-Förderungsprogramm.
              Sebastian Kurz, Außenminister

Ich fordere, dass Asylsuchende ihre Anträge künftig schon in ihrem Heimatland stellen können. Mit der derzeitigen Praxis betreibt die Europäische Union so etwas wie ein Schlepper-Förderungsprogramm.

Sebastian Kurz,
Außenminister

Ich fordere, dass Asylsuchende ihre Anträge künftig schon in ihrem Heimatland stellen können. Mit der derzeitigen Praxis betreibt die Europäische Union so etwas wie ein Schlepper-Förderungsprogramm.
              Sebastian Kurz, Außenminister

Ich fordere, dass Asylsuchende ihre Anträge künftig schon in ihrem Heimatland stellen können. Mit der derzeitigen Praxis betreibt die Europäische Union so etwas wie ein Schlepper-Förderungsprogramm.

Sebastian Kurz,
Außenminister

Europa muss sich entscheiden, ob es ein Kontinent des Todes oder ein Kontinent des Lebens und der Solidarität sein will. Auf jeden Fall steht fest, dass in diesen Tagen und Stunden Geschichte geschrieben wird.
              Michael Landau, Caritas-Präsident

Europa muss sich entscheiden, ob es ein Kontinent des Todes oder ein Kontinent des Lebens und der Solidarität sein will. Auf jeden Fall steht fest, dass in diesen Tagen und Stunden Geschichte geschrieben wird.

Michael Landau,
Caritas-Präsident

Europa muss sich entscheiden, ob es ein Kontinent des Todes oder ein Kontinent des Lebens und der Solidarität sein will. Auf jeden Fall steht fest, dass in diesen Tagen und Stunden Geschichte geschrieben wird.
              Michael Landau, Caritas-Präsident

Europa muss sich entscheiden, ob es ein Kontinent des Todes oder ein Kontinent des Lebens und der Solidarität sein will. Auf jeden Fall steht fest, dass in diesen Tagen und Stunden Geschichte geschrieben wird.

Michael Landau,
Caritas-Präsident

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