Historischer Pakt von Rebellen und Regierung

Politik / 24.09.2015 • 22:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Kubas Präsident Raul Castro (Mitte) hält die Hände von Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos (li.) und FARC-Anführer Rodrigo Londono Echeverri (re.) nach den Friedensgesprächen in Havanna. Foto: EPA
Kubas Präsident Raul Castro (Mitte) hält die Hände von Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos (li.) und FARC-Anführer Rodrigo Londono Echeverri (re.) nach den Friedensgesprächen in Havanna. Foto: EPA

Einigung in Kuba: Nach 50 Jahren Guerilla-Krieg ist in Kolumbien Frieden in Sicht.

havanna, bogota. (VN) Nach jahrzehntelangen Kämpfen und fast dreijährigen Verhandlungen ist Kolumbiens Regierung und den FARC-Rebellen der entscheidende Durchbruch auf dem Weg zu einem Friedensabkommen gelungen. Beide Seiten verkündeten am Donnerstag in Havanna ihre Einigung auf eine Amnestie für FARC-Kämpfer, von der allerdings schwere Verbrechen ausgenommen sind.

Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos sagte nach seinem Treffen mit FARC-Chef Rodrigo Londono Echeverri, das endgültige Friedensabkommen werde innerhalb eines halben Jahres unterzeichnet. Vor der Unterzeichnung des Friedensvertrags muss der Text noch von den Kolumbianern in einem Referendum gebilligt werden.

„Weitgehende Amnestie“

Santos und Echeverri sprachen in Havanna im Beisein von Kubas Staatschef Raul Castro eine halbe Stunde lang miteinander, bevor sie die Einigung verkündeten. Es war das erste Treffen von Santos mit dem FARC-Chef, der in Kolumbien wegen Mordes, Terrorismus, Entführung und Rebellion gesucht wird. Santos sagte, er habe mit Echeverri vereinbart, dass spätestens in sechs Monaten die Verhandlungen abgeschlossen werden und der endgültige Friedensvertrag unterzeichnet werden muss. Danach haben die FARC-Kämpfer 60 Tage Zeit, ihre Waffen abzugeben.

Bei den  2012 aufgenommenen Friedensverhandlungen war der Umgang mit den Verbrechen während des Konflikts der Knackpunkt. Die Vereinbarung sieht nun eine „möglichst weitgehende Amnestie“ für „politische Delikte“ und damit in Verbindung stehende Taten vor. Ausgenommen seien allerdings Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und schwere Kriegsverbrechen.

Mit der Festlegung einer moderaten Maximalstrafe kamen die Unterhändler der Regierung den Rebellenkommandanten entgegen. Die Vergehen sollen mit fünf bis acht Jahren Gefängnis mit Hafterleichterungen bestraft werden, wenn die Täter bei der Aufklärung der Vergehen helfen. Ansonsten riskieren sie bis zu 20 Jahre Haft.

Die linksgerichtete FARC hatte 1964 ihren gewaltsamen Kampf gegen Großgrundbesitzer und die Regierung begonnen. Sie zählt heute rund 7000 Kämpfer. In dem Konflikt, an dem auch andere Rebellengruppen, rechtsgerichtete Paramilitärs und Drogenhändler beteiligt waren, wurden etwa 220.000 Menschen getötet, sechs Millionen mussten flüchten.