Afghanistan bläst zum Sturm auf die Taliban

29.09.2015 • 20:53 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die afghanische Armee rüstete am Dienstag zum Sturm auf die Taliban in Kundus. Die USA unterstützten das Militär mit Luftschlägen. Foto: AP
Die afghanische Armee rüstete am Dienstag zum Sturm auf die Taliban in Kundus. Die USA unterstützten das Militär mit Luftschlägen. Foto: AP

US-Militär greift in Kämpfe ein. Berlin diskutiert über Verlängerung des Einsatzes.

kundus. (VN) Einen Tag nach dem Fall von Kundus hat die afghanische Armee am Dienstag eine Gegenoffensive zur Vertreibung der Taliban aus der Provinzhauptstadt begonnen. Wie berichtet, hatten die Islamisten die Stadt am Montag überrannt.

Die US-Armee griff in die Gefechte ein, sie habe einen Luftangriff in Kundus geflogen, sagte ein US-Militärsprecher am Dienstag. Kundus ist die erste Provinzhauptstadt, die seit dem Sturz des Taliban-Regimes Ende 2001 von den Aufständischen erobert wurde. Unklar ist, wie viele Menschen bei den Gefechten getötet wurden. Bis zu mehreren Dutzend könnten es sein, fast 200 Menschen seien verletzt worden.

Kämpfer aus Gefängnis befreit

Die Taliban durchsuchten Häuser nach Regierungsmitarbeitern und regierungsfreundlichen Milizionären, sammelten Waffen und Munition ein. Aus dem Provinz-gefängnis befreiten sie nach Regierungsangaben mehr als 600 Häftlinge, darunter 144 Talibankämpfer.

Talibanchef Mullah Achtar Mohammad Mansur versicherte, „Leben, Besitz und Ehre der respektierten Bürger von Kundus zu schützen.“ Die Menschen dort könnten ihr Leben „in absoluter Sicherheit“ weiterführen, die „Mudschaheddin denken nicht an Rache, sondern sind mit einer Botschaft des Friedens gekommen“. Er rief Mitarbeiter der „Invasoren und ihres Handlanger-Regimes“ dazu auf, überzulaufen, um Leben und Besitz zu schützen.

Die Eroberung von Kundus löste in Berlin eine Debatte um den geplanten Abzug der deutschen Bundeswehr aus Nordafghanistan aus. Rainer Arnold, Verteidigungs-Sprecher der SPD, forderte eine Verlängerung des Einsatzes in dem Bürgerkriegsland. Die 700 deutschen Soldaten sollten ein weiteres Jahr bis Ende 2016 in voller Stärke dortbleiben: „Angesichts der aktuellen Situation wäre es falsch, die Afghanen alleinzulassen.“ Auch Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) warnte vor einem zu frühen Truppenabzug.

Kampfeinsatz wurde beendet

Die Bundeswehr hatte sich vor zwei Jahren aus Kundus zurückgezogen, ist aber noch im 150 Kilometer entfernten Masar-i-Scharif stationiert – allerdings nur zur Ausbildung und Beratung der afghanischen Armee. Der Kampfeinsatz der NATO war Ende 2014 nach 13 Jahren ausgelaufen. Bisher ist geplant, 2016 alle NATO-Truppen aus der offenen Fläche nach Kabul zurückzuziehen.