Putin greift in Syrien militärisch ein

Politik / 30.09.2015 • 22:46 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Von der Militärbasis in der Hafenstadt Tartus starteten am Mittwoch die ersten russischen Kampfjets gegen Ziele in Syrien.  Foto: Reuters
Von der Militärbasis in der Hafenstadt Tartus starteten am Mittwoch die ersten russischen Kampfjets gegen Ziele in Syrien.  Foto: Reuters

Moskau nennt Intervention einen „Präventivschlag“. Der Westen ist besorgt.

Moskau, damaskus. (VN) Nach wochenlangen Spekulationen über eine russische Intervention in Syrien macht Kremlchef Wladimir Putin ernst: Mit Luftschlägen auf strategische Ziele in Syrien hat Russland am Mittwoch erstmals militärisch in den Krieg eingegriffen.

Kampfjets hätten unter anderem Munitionsdepots und Treibstofflager der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bombardiert, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Syrischen Aktivisten zufolge bombardierten die Jets mehrere Orte nördlich von Homs, die von gemäßigten Rebellen gehalten werden. In dem Gebiet gebe es weder Kämpfer des IS noch des Terrornetzwerkes Al-Kaida. Die Zahl der Toten wird unterschiedlichen Quellen zufolge auf bis zu 40 beziffert, darunter auch Frauen und Kinder. 

Präsident Wladimir Putin nannte Russlands Intervention den „einzigen Weg im Kampf gegen den internationalen Terrorismus“. Russland werde die syrische Armee und Machthaber Baschar al-Assad so lange unterstützen, bis diese ihren Kampf beendet hätten, kündigte er an. Der Föderationsrat in Moskau hatte Putin am Morgen einstimmig den Einsatz von Soldaten in dem Bürgerkriegsland erlaubt. Der syrische Machthaber Baschar al-Assad habe Russland um Militärhilfe gebeten, sagte der Chef der Präsidialverwaltung, Sergej Iwanow. Es gehe um Luftangriffe, der Einsatz von Bodentruppen sei vorerst ausgeschlossen.

Die Furcht des Westens

Der Westen fürchtet, dass Präsident Assad eine Intervention des Partners Russland zum Kampf gegen die Opposition und die Zivilbevölkerung nutzen könnte. Putin sagte, er rechne mit Assads „Kompromissbereitschaft“ bei der Lösung der Krise. Russland betreibt in der syrischen Hafenstadt Tartus eine Militärbasis.

Putin bezeichnete die Luftangriffe als „Präventivschlag“. Terroristen müssten in den besetzten Gebieten „vernichtet“ werden – „statt zu warten, dass sie zu uns kommen“. Alle Partner seien informiert. Russland werde eine Sondersitzung des Weltsicherheitsrates beantragen. Moskau rechne im Kampf gegen den Terror mit Unterstützung der internationalen Gemeinschaft.

Mit dem grünen Licht für eine Intervention knüpft Putin an seine Rede vor der UNO am Montag an, in der er einen gemeinsamen Kampf gegen den IS gefordert hatte. In New York hatte er auch mit US-Präsident Barack Obama gesprochen. Putin schlägt eine Allianz vor, an der sich auch die Armee des syrischen Regimes beteiligen soll. Obama sieht aber die Zukunft des kriegsgeplagten Landes nach einer Übergangszeit ausschließlich ohne Assad, den er in seiner Rede bei der UN-Vollversammlung als „Tyrannen“ bezeichnet hatte.

Afghanistan im Gedächtnis

Die russische Bevölkerung sieht das Engagement in Nahost skeptisch, auch vor dem Hintergrund der Ukrainekrise. Tief eingebrannt hat sich zudem die Erinnerung an den Albtraum des Krieges in Afghanistan (1979 bis 1989). Damals starben Tausende sowjetische Soldaten in den afghanischen Bergen.