Zwerge verschenken

01.10.2015 • 21:02 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Das wird ein rabenschwarzer Tag für die Schwarzen in Wien. Am 11. Oktober wird der Gemeinderat neu gewählt. Die ÖVP-Funktionäre würden diesen Tag am liebsten aus dem Kalender streichen. Ihre Partei wird auf ein historisches Tief herunterrutschen. Einsamer Kapitän auf dem dahintuckernden Donauschiffchen mit der schwarzen Flagge ist ein unbekannter Manfred Juraczka. Sein Stellvertreter ist Sebastian Kurz. Ihn hat man in diese Funktion gewählt, damit er bei der Wien-Wahl eine politische Auseinandersetzung mit Michael Häupl und HC Strache auf Augenhöhe liefert. Aber was nützt die Augenhöhe, wenn sich Kurz im Wahlkampf nicht blicken lässt? Das schwache Ergebnis könnte seinen politischen Aufstieg behindern.

 

Bekannte ÖVP-Größen sind zur politischen Konkurrenz geflüchtet. Beate Meinl-Reisinger zum Beispiel werkelte bei der letzten Gemeinderatswahl in Wien noch für die ÖVP-Spitzenkandidatin. Heute ist sie selbst Spitzenkandidatin, aber bei den Neos. Beim ehemaligen Wiener ÖVP-Vizebürgermeister Erhard Busek weiß man sowieso nicht, ob er noch Schwarz wählt. Er ist gelegentlich Neos-Berater. Selbst Urgesteine bröckeln. Wolfgang Schüssels erzschwarzer Berater Claus Raidl, der immer wieder als ÖVP-Wirtschaftsminister im Gespräch war, hat die Neos sogar finanziell unterstützt, weil sein Sohn dort kandidiert: „Ja, ich habe beim Nationalratswahlkampf gespendet, und jetzt unterstütze ich meinen Sohn mit kleinen Spenden bei seinem Wahlkampf.“ Bernhard Görg, ehemals Vizebürgermeister der Wiener ÖVP, ist nach den Erfahrungen mit seiner Partei zum Kriminalschriftsteller geworden.

 

Eine ÖVP-Größe hat sich im Wahlkampf an der eigenen Partei besonders drastisch gerächt. Ursula Stenzel, die ÖVP-Bezirksvorsteherin des ersten Bezirkes, kandidiert – als Enkelin eines Rabbiners – auf der FPÖ-Liste. Sie war für die ÖVP im Europaparlament und im Gemeinderat. Nun musste sie in der Volkspartei dem Enkel Leopold Figls Platz machen. Da hat sie die Partei gewechselt. Nüchtern betrachtet ist das weder ein Nachteil für die ÖVP noch ein Vorteil für HC Strache.

Die ÖVP Wien ist die einzige Partei, die in ihrer ewigen Verzweiflung auch einen HC Strache zum Bürgermeister wählen würde. Deshalb hat die erwartete Schwäche der Volkspartei auch etwas Gutes. Es wird sich mit Blau und Schwarz nicht ausgehen. Manfred Juraczka kann möglicherweise nicht einmal das Ergebnis der Vorarlberger Roten erreichen. Vielleicht müsste er noch ein paar Zwerge verschenken.

Bekannte ÖVP-Größen sind zur politischen Konkurrenz geflüchtet.

arnulf.haefele@vorarlbergernachrichten.at
Arnulf Häfele ist Historiker und Jurist.
Er war langjähriges Mitglied des Vorarlberger Landtags.