Sie wollen nur weiter mitregieren

02.10.2015 • 20:25 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ellensohn holt scharf gegen die FPÖ aus. FOTO: APA
Ellensohn holt scharf gegen die FPÖ aus. FOTO: APA

Duell Häupl-Strache beherrscht auch grünen Wahlkampf.

Wien. Rot-Grün. Das ist das Ziel von David Ellensohn (52). Der Vorarlberger steht in Wien als Klubobmann in der ersten Reihe der Grünen, dem aktuellen Koalitionspartner der SPÖ. Er möchte nach der Wahl am 11. Oktober in der Bundeshauptstadt noch mitregieren. Für die Freiheitlichen hat er gar nichts übrig.

Viele Seitenhiebe

„Wer Rot-Grün will, muss Grün wählen“, steht auf einem Plakat der Partei, die von Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (46) angeführt wird. Sie möchte ihr erfolgreichstes Wahlergebnis von 14,6 Prozent im Jahr 2005 toppen – und mit der letzten Plakatwelle wohl auch in dem rot-blauen Duell zwischen Bürgermeister Michael Häupl (66, SPÖ) und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache (46, FPÖ) mitmischen. 2010 erreichten die Grünen 12,6 Prozent.

Gemessen an den Seitenhieben gegen die Freiheitlichen, befindet sich Ellensohn im Wahlkampf-Endspurt wohl in Höchstform. Er führe eine Liste über alle rechtskräftig verurteilten FPÖ-Politiker. 50 seien es bisher, sagt er: „Und da sind die notorischen Holocaust-Leugner noch nicht mit drinnen.“ Ebenso glaubt der Vorarlberger, dass die Wahrscheinlichkeit, verurteilt zu werden, bei freiheitlichen Mandataren in Österreich höher sei, als in der Durchschnittsbevölkerung. Er trete dafür gerne den Wahrheitsbeweis an.

Das alles ändert nichts an der Tatsache, dass die FPÖ auf Erfolgskurs ist. ÖVP und SPÖ werden den Umfragen zufolge in Wien weiter abgestraft. Die Grünen liegen bei knapp 13 Prozent. Dass sie durch das Duell Häupl-Strache tatsächlich Stimmen verlieren könnten, streitet Ellensohn nicht ab. „Die SPÖ sagt nicht, wähl uns, wegen unserem Programm. Sie sagt, wähl uns, damit wir vor ihm (Anm. Strache) liegen. Na gratuliere.“ Das sei überspitzt. Schließlich wisse jeder, dass die FPÖ nicht Erste werde. „Häupl wird Bürgermeister bleiben“, sagt Ellensohn. Die Frage sei nur, für welche Koalition er sich entscheide. Und Strache? „Der kommt sowieso nicht ins Rathaus.“ Er führe den Wahlkampf in Wien und kehre ungeachtet des Ergebnisses wie schon 2010 in den Nationalrat zurück.

Grüne bieten sich an

Ob ein ständiges Anbieten der Grünen als Regierungspartner  dem Profil der Partei schaden könnte, will der Vorarlberger nicht für alle Bundesländer beantworten. In Wien sei die grüne Handschrift deutlich genug. Das habe die Fußgängerzone in der Mariahilferstraße bewiesen: „Die hat es bis in den Landtagswahlkampf nach Vorarlberg geschafft.“ Seinen oberösterreichischen Kollegen möchte Ellensohn keine Ratschläge geben. Dort hat Parteichef Rudi Anschober (54) den Wahlverlierern ÖVP und SPÖ seine Teilnahme für eine Koalition gegen den Wahlsieger FPÖ angeboten. Der Preis, die Freiheitlichen in die Regierung zurück zu holen, sei einfach zu hoch, pflichtet Ellensohn Anschobers Idee bei: „Es ist, wie wenn man ein Haus baut und alles zusammenstürzt.“ Wenn das Haus dann schon zum fünften Mal eingebrochen sei und man immer noch den gleichen Trupp zum Wiederaufbau hole, dann müsse man aber irgendwann auch sagen: „Selber schuld.“

Zur Person

David Ellensohn
seit 2010 Klubobmann der Grünen im Wiener Landtag

Geboren: 24. Juni 1963, London

Ausbildung: VS Röthis, Hak-Feldkirch, BWL- und Politik-Studium Wien

Laufbahn: ab 2001 Abgeordneter im Wiener Landtag, 2004 bis 2010 nichtamtsführender Stadtrat, zuvor Chefredakteur der Sportzeitung und Bezirkspolitiker