Spannung am Himmel Syriens

05.10.2015 • 20:52 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Syrer kehren zum Einschlagsort zurück, um zu sehen, was nach den russischen Luftangriffen noch übrig ist.  AP
Syrer kehren zum Einschlagsort zurück, um zu sehen, was nach den russischen Luftangriffen noch übrig ist.  AP

Türkische Luftwaffe fängt russische Kampfjets Richtung Syrien ab. IS zerstört Palmyra.

Ankara, Moskau. (VN) Die umstrittenen russischen Luftangriffe auf Ziele in Syrien schüren Spannungen zwischen Russland und der Türkei. Die Regierung in Ankara warnte Moskau am Montag vor Verletzungen ihres Luftraumes, nachdem türkische Flugzeuge einen russischen Kampfjet im Grenzgebiet zu Syrien abgefangen hatten. Russland bestätigte den Vorfall. NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg wollte noch am Montag mit Vertretern der Bündnisstaaten die Situation diskutieren. „Russlands Handeln trägt nicht zu Sicherheit und Stabilität der Region bei“, kritisierte er in Brüssel.

Eine „freundliche Warnung“

Nach dem Vorfall in der Grenzregion Hatay hatte die Türkei dem russischen Botschafter eine Protestnote übergeben. Kremlsprecher Dmitri Peskow kündigte eine Prüfung an. Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu sprach von einer „versehentlichen“ Verletzung des Luftraumes und einer „freundlichen Warnung“. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan nannte die russischen Angriffe einen schweren Fehler und warnte Moskau, es könnte sich im Nahen Osten isolieren. Moskau und Ankara sind in der Frage des Syrien-Konfliktes gespalten. Russland hilft mit seinen Luftangriffen dem umstrittenen Machthaber Baschar al-Assad. Die Türkei dagegen unterstützt Kämpfer der moderaten Opposition, die Assad stürzen wollen.

Russland bombardiert nach eigener Darstellung seit Mittwoch vor allem Stellungen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Syrische Aktivisten und die USA bezweifeln dies und berichten von getöteten Zivilisten. US-Präsident Barack Obama wirft Russland vor, mit seinen Attacken den IS indirekt zu stärken.

25 neue Angriffe geflogen

Innerhalb von 24 Stunden flog Russland dem Verteidigungsministerium zufolge 25 neue Angriffe auf 9 angebliche IS-Stellungen in Syrien. Die russische Marine schickte zudem ein Aufklärungsschiff vor die syrische Küste, um Funkgespräche in der Kriegsregion abzufangen. Vor Syrien kreuzen bereits mehrere russische Kriegsschiffe.

Auch eine von den USA angeführte Koalition fliegt seit gut einem Jahr Luftangriffe in Syrien. Die Allianz will nach Informationen der „New York Times“ eine Front aufbauen, um den Druck auf die IS-Hochburg Al-Rakka in Syrien zu verstärken. Demnach sollen Kampfflugzeuge der Alliierten bis zu 5000 arabische und 20.000 kurdische Kämpfer unterstützen. Das Blatt beruft sich auf ranghohe Regierungsbeamte.

Die syrische Regierung hat derweilen empört auf die Zerstörung des symbolträchtigen Triumphbogens in der antiken Wüstenstadt Palmyra durch den IS reagiert. Palmyra sei Teil der Geschichte der menschlichen Zivilisation, teilte Damaskus am Montag mit. Erst kürzlich hatte der IS in der von ihm im Mai eroberten Oase zwei berühmte Tempel sowie weitere Relikte zerstört. Dies sorgte weltweit für Entsetzen und Empörung.

Symbole des Götzendienstes

Laut Aktivisten haben IS-Kämpfer den fast 2000 Jahre alten und weithin sichtbaren Triumphbogen in die Luft gesprengt. Palmyra ist eine der spektakulärsten historischen Stätten im Nahen Osten und zählt zum UNESCO-Weltkulturerbe. Die IS-Extremisten pflegen in ihrem selbst erklärten Kalifat in Syrien und im Irak eine radikale Lesart des islamischen Rechts, das in antiken Kulturgütern Symbole des Götzendiensts und Heidentums sieht, die es zu zerstören gelte.

Syrer kehren zum Einschlagsort zurück, um zu sehen, was nach den russischen Luftangriffen noch übrig ist.  AP
Syrer kehren zum Einschlagsort zurück, um zu sehen, was nach den russischen Luftangriffen noch übrig ist.  AP