„Tugendterror der Gutmenschen“

Politik / 06.10.2015 • 22:52 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Strache beschwert sich über die heutigen Gutmenschen.  FOTO: APA
Strache beschwert sich über die heutigen Gutmenschen. FOTO: APA

Strache will kein Hetzer sein, Sarrazin will die Abschirmung.

Wien. (VN-ebi) „Die neue Völkerwanderung“: So nennt die FPÖ den jüngsten Flüchtlingsandrang aus den Kriegsländern Syrien, Irak und Afghanistan nach Europa. Und so titulierte sie auch am Dienstagabend ihre Diskussionsveranstaltung mit dem Autor Thilo Sarrazin (70). 500 Personen fanden dazu in einem Kinosaal Platz, rund 24.000 verfolgten die Vorträge auf Facebook.

Kurz vor der Wien-Wahl am 11. Oktober war das Duell um die Stadt, das FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache (46) ausgerufen hatte, natürlich präsent. Strache behauptete etwa, Kanzler Werner Faymann (55, SPÖ) habe seine deutsche Amtskollegin Angela Merkel (61) gebeten, die Grenzen erst nach dem Urnengang dicht zu machen. Der FPÖ-Politiker warnte zudem vor dem Begriff „Flüchtling“, will er doch vor allem Wirtschaftsflüchtlinge unter den ankommenden Menschen erkennen. Wer die Probleme offen anspreche, werde aber gleich „als Hetzer und Hassprediger“ tituliert. „Das ist der Tugendterror der heutigen Gutmenschen“, sagte Strache.

Unterstützung erhielt er von Thilo Sarrazin, dem Ex-SPD-Politiker, der mit seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“ 2010 für Aufregung sorgte. Dieser meinte, dass aus 1,5 Millionen Zuwanderern in ein paar Jahren durch stärkere Geburtenraten und Familienzuzug 7,5 Millionen werden könnten und warnte – wie es auch die FPÖ pflegt – vor dem „Untergang des Abendlandes“. In den Krisenländern von außen zu helfen, bezeichnete er als wenig sinnvoll. Die Lösung könne alleine das betroffene Land selbst finden. Aussichtsreich sei daher nur, sich durch Abschirmung zu schützen.

Zurück zur Wien-Wahl: Der FPÖ-Nationalratsmandatar Reinhard Bösch (58) rechnet seinem Parteichef gute Chancen aus. Strache werde Bürgermeister. Ob er es bei dieser Wahl schon schaffe, zeige sich am Sonntag. Dass der FPÖ-Chef nur in die Stadtpolitik wechselt, sollte er Bürgermeister werden, will Bösch nicht kritisieren. Schließlich habe Strache das klar kommuniziert. Ähnlich sieht es der FPÖ-Landtagsmandatar Christof Bitschi. Er hofft, dass Strache als Wiener Bürgermeister endlich Druck auf die Bundesregierung ausüben könnte. Michael Häupl (SPÖ, 66) tue das zu wenig.

Bösch: Strache wird bestimmt einmal Wiener Bürgermeister.  FOTO: APA
Bösch: Strache wird bestimmt einmal Wiener Bürgermeister. FOTO: APA
Sarrazin: Die Länder müssten selbst ihre innere Ordnung finden.  FOTO: RTS
Sarrazin: Die Länder müssten selbst ihre innere Ordnung finden. FOTO: RTS
Bitschi: Strache würde mehr Druck ausüben können.  FOTO: Miro
Bitschi: Strache würde mehr Druck ausüben können.
FOTO: Miro