Russland feuert nun aus allen Rohren

Politik / 07.10.2015 • 22:50 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Dieses Foto zeigt, wie eine Cruise Missile von einem russischen Kriegsschiff im Kaspischen Meer Richtung Syrien abgefeuert wird. AP
Dieses Foto zeigt, wie eine Cruise Missile von einem russischen Kriegsschiff im Kaspischen Meer Richtung Syrien abgefeuert wird. AP

Bodenoffensive in
Syrien gestartet. Moskau unterstützt mit Luftwaffe und Marine.

Damaskus, Moskau. (VN) Mit russischer Luftunterstützung haben die syrischen Streitkräfte am Mittwoch eine Bodenoffensive gestartet. Die Operation konzentriere sich auf die beiden Provinzen Hama und Idlib, sagte ein Regierungsvertreter in Damaskus. Dort ist die Terrormiliz Islamischer Staat, gegen die sich der russische Militäreinsatz in erster Linie richten soll, nicht vertreten. Gleichzeitig feuerten russische Kriegsschiffe vom Kaspischen Meer aus erstmals auf das mehr als 1000 Kilometer entfernte Syrien, dort aber auf Stellungen des IS, wie Verteidigungsminister Sergej Schoigu versicherte.

Russland fliegt seit vergangener Woche Luftangriffe in Syrien und stärkt so der Regierung von Präsident Baschar al-Assad im Kampf gegen verschiedene Rebellengruppen den Rücken. Offiziell ist das Ziel, gegen Extremisten vorzugehen und damit auch künftige Anschläge in Russland zu verhindern. Die Ziele lagen dabei bisher vor allem in Zentralsyrien sowie im Nordwesten des Landes. Damit wollte Russland den Zugang zu den Assad-Hochburgen Damaskus und entlang der Mittelmeerküste sichern, mutmaßten westliche Beobachter. Offenbar gaben sie Assad aber auch neue Zuversicht für die Rückeroberung verlorener Regionen.

Angriffe an vier Fronten

Die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete, die Kämpfe in Hama und Idlib seien die heftigsten seit Monaten. Die Regierungssoldaten seien an vier Fronten vorgerückt. Unter anderem ist dort die radikalislamische Nusra-Front aktiv, der syrische Ableger der Al-Kaida. Aber auch vom Westen unterstützte Rebellen kontrollieren einzelne Gegenden. Der Anführer einer dieser moderaten Rebellengruppen erklärte, dass auch russische und iranische Soldaten an der Bodenoffensive beteiligt seien. Einer seiner Kommandeure berichtet von Angriffen aus drei Richtungen, unter anderem aus Latamne, nördlich der Provinzhauptstadt Hama. Fast die ganze Gegend dort sei längst unter der Kontrolle von Rebellen.

Die Beobachtungsstelle berichtete, das allein am Mittwoch 37 russische Luftangriffe in der Region durchgeführt worden seien. Insgesamt seien seit Beginn des russischen Einsatzes 112 Angriffe auf den IS geflogen worden, sagte Schoigu in Moskau. Angriffe auf andere Gruppen erwähnte er nicht. Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu beklagte, dass nach türkischen Informationen von 57 russischen Luftangriffen in Syrien nur zwei den IS anvisiert hätten. US-Verteidigungsminister Ashton Carter betonte, dass es keine Zusammenarbeit mit Moskau geben werde, solange es andere Gruppen attackiere.

Marschflugkörper abgefeuert

Der Raketenbeschuss vom Kaspischen Meer zielte nach Angaben des russischen Verteidigungsministers aber auf IS-Ziele ab, 26 seien zerstört worden, sagte Schoigu. Die abgefeuerten Marschflugkörper müssen dabei eine Strecke von mehr als 1000 Kilometern zurücklegen. Welche Staaten sie dabei überflogen, sagte Schoigu nicht. Westlich grenzen an das Meer Aserbaidschan und der Iran. Um Syrien zu erreichen, müssten die Marschflugkörper aber auch noch die Türkei oder den Irak überqueren.

Die Türkei hatte Russland nach zwei Zwischenfällen mit Kampfjets wiederholt aufgefordert, seinen Luftraum zu respektieren. Man wünsche keine Spannungen mit Moskau, doch werde man auch keine Zugeständnisse bei der Sicherung des Luftraums und der Grenzen machen, sagte Davutoglu am Mittwoch.

Bereit für Militärabkommen

Schoigu sagte, Russland sei bereit, ein Militärabkommen mit den USA über den Einsatz in Syrien zu treffen. Putin wies den Minister an, sich mit den USA, der Türkei, Saudi-Arabien, dem Irak und dem Iran abzustimmen. Zugleich forderte der Kremlchef die Führung in Washington auf, mit dem russischen Militär für Luftangriffe in Syrien Informationen über Stellungen der Terroristen zu teilen.

Bezüglich der mehrmaligen Verletzung von türkischem Luftraum, die auch von der NATO scharf kritisiert worden war, wiederholte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Mittwoch, die Vorfälle seien ein „bedauerliches Missverständnis“ gewesen.