„Stenzel hält die Wähler für dumm“

07.10.2015 • 20:25 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Im Duell Strache gegen Häupl würde Yerit Letzteren vorziehen.  Foto: PRIVAT
Im Duell Strache gegen Häupl würde Yerit Letzteren vorziehen. Foto: PRIVAT

Wechsel zur FPÖ ist abstrus gewesen, sagt ÖVP-Bezirksrat Yerit.

Wien. Jeder Wandel brauche Zeit. Auch jener der ÖVP. Davon ist der gebürtige Vorarlberger und Wiedner Bezirksrat Okan Yerit (42) überzeugt. Mit dem erst im Frühling abgeschlossenen Evolutions-Prozess zum Parteiprogramm hätten die Schwarzen gezeigt, dass sie sich bewegen. Treffen die Umfragewerte zu, wird das bei den Wiener Wählern allerdings, wenn überhaupt, zu spät ankommen. Demnach kann Parteichef Manfred Juraczka (46) froh sein, wenn er in der Bundeshauptstadt am 11. Oktober die Zehn-Prozent-Marke schafft. Ihm droht nicht nur das schlechteste ÖVP-Ergebnis der Zweiten Republik. Erstmals könnte die Volkspartei auch hinter SPÖ, FPÖ und Grünen nur mehr Vierte sein. Noch stellt sie insgesamt fünf Bezirksvorsteher, samt der jetzt zur FPÖ gewanderten Ursula Stenzel.

Die Chefin der Inneren Stadt ist wohl der prominenteste Parteiwechsel, der im Zuge des Vorwahlkampfs vollzogen wurde. „Das war abstrus“, kommentierte Yerit den überraschenden Schritt. „Ich habe mir gedacht, es ist ein verspäteter Aprilscherz. Wer die Bürger in Wien aber für so dumm hält, ist selbst schuld. Die Leute erkennen sehr wohl, was hinter dem Parteiwechsel steckt“, ist sich der Bregenzer sicher. Es gehe Stenzel schließlich nicht mehr darum, etwas für den Bezirk zu bewirken, sondern um „Rache ist süß“ und „Schauen wir mal, welcher Posten noch möglich ist“.

Die Volkspartei hatte die 70-jährige Stenzel als Spitzenkandidatin demontiert. Mit dem „Neuen“ Markus Figl (42) habe sie einen Generationenwechsel vollzogen, argumentierte die Wiener ÖVP stets ihre Entscheidung im ersten Bezirk.

Stimme für Autofahrer

Dass sich Juraczka als Chef einer Autofahrerpartei positioniert, will Yerit nicht kritisieren. Autofahrer würden steuerlich ständig gemolken und gleichzeitig in allen Rechten beschnitten. „Man kann in der Politik ruhig einmal klar Position für sie beziehen“, sagt er. Das bedeute nicht, dass die ÖVP etwas gegen Radfahrer oder Fußgänger habe. Geht es um das Bürgermeisterduell zwischen Heinz-Christian Strache (46, FPÖ) und Michael Häupl (66, SPÖ) würde Yerit Letzteren bevorzugen. „Ich bin seit 1991 mit Unterbrechungen in Wien. Alles, was ich erleben durfte, ist unter Häupls Ägide entstanden. Das muss man honorieren. Strache strampelt sich nur um die Macht ab, ist immer gegen alles, hat aber keine neuen Ideen.“

Zur Person

Okan Yerit
ÖVP-Bezirksrat in Wien-Wieden

Geboren: 10. 11. 1972, Feldkirch

Ausbildung: BG Bregenz Blumenstraße, WIFI-Ausbildung in Projektmanagement und PR, WKÖ-Unternehmerprüfung

Laufbahn: Selbstständiger Trainer, Coach, Projektverantwortlicher, Kundenberater und -betreuer bei Ökostrom, Projektmanager