Offensive in Syrien wird noch weiter ausgedehnt

Politik / 08.10.2015 • 23:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Auch in der syrischen Region rund um Idlib stieg am Donnerstag dunkler Rauch von den Einschlagstellen russischer Bomben auf. Foto: REUTERS
Auch in der syrischen Region rund um Idlib stieg am Donnerstag dunkler Rauch von den Einschlagstellen russischer Bomben auf. Foto: REUTERS

Auch Iran und Libanon unterstützen Assad. Türkei droht Russland mit Wirtschaftsfolgen.

damaskus. (VN) Gestärkt durch Angriffe der russischen Luftwaffe und Marine sowie durch Kämpfer aus dem Iran und der libanesischen Hisbollah will Damaskus die Militärschläge gegen den „Islamischen Staat“ (IS) und andere Rebellen in Syrien massiv ausweiten. „Die syrischen Streitkräfte haben eine groß angelegte Offensive gestartet, um die Terrorgruppen zu besiegen und die Gegenden und Dörfer zu befreien“, sagte der syrische Generalstabschef Ali Abdullah Ayoub am Donnerstag. Das Regime in Damaskus bezeichnet jedoch alle seine Gegner auf syrischem Boden als Terroristen.

Am Mittwoch hatten die Truppen von Machthaber Baschar al-Assad in der zentralen Provinz Hama die Offensive gestartet. Durch die russischen Bombardierungen aus der Luft und vom Kaspischen Meer aus seien die Aufständischen geschwächt worden, sagte General Ayoub, dadurch hätten die syrischen Streitkräfte die militärische Initiative behauptet. Am Donnerstag dehnten sich die Kämpfe und Luftschläge auf weitere Regionen aus. Opferzahlen wurden vorerst nicht bekannt.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan warnte Russland am Donnerstag vor nachhaltigem Schaden für die Beziehungen zwischen den beiden Ländern. Russland solle sich genau überlegen, was es tue. Erdogan deutete negative wirtschaftliche Folgen für Russland aufgrund der Intervention Moskaus in Syrien an.

Druckmittel Gas und AKW

Die Türkei ist zwar in hohem Maße von russischen Erdgaslieferungen abhängig, aber falls nötig, könne die Türkei ihr Gas auch woanders kaufen, drohte Erdogan. Zudem verwies er auf den geplanten Bau des ersten türkischen Atomkraftwerks, in den russische Firmen bereits knapp drei Milliarden Euro investiert hätten. Es gebe auch andere Anbieter, die Atomkraftwerke bauen könnten. Während die Türkei, die mit anderen NATO-Bündnisstaaten ebenfalls Luftschläge in Syrien fliegt, Assads Sturz verlangt, wird der Machthaber von Russland und dem Iran gestärkt.

Die USA ließen am Donnerstag wissen, dass die russische Intervention primär Assad stärkt. „Mehr als 90 Prozent der Luftangriffe, die wir bisher registriert haben, waren nicht gegen den IS oder Al-Kaida-nahe Terroristen gerichtet“, sagte US-Außenamtssprecher John Kirby. „Die Angriffe richteten sich vielmehr sehr oft gegen Oppositionsgruppen, die eine bessere Zukunft für Syrien erhoffen und nicht wollen, dass das Assad-Regime an der Macht bleibt.“

Auch in der syrischen Region rund um Idlib stieg am Donnerstag dunkler Rauch von den Einschlagstellen russischer Bomben auf. Foto: REUTERS
Auch in der syrischen Region rund um Idlib stieg am Donnerstag dunkler Rauch von den Einschlagstellen russischer Bomben auf. Foto: REUTERS