Schleppern fehlen Schiffe

08.10.2015 • 21:00 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Ankunft in Italien mit dem Schlauchboot aus Libyen. Foto: EPA
Ankunft in Italien mit dem Schlauchboot aus Libyen. Foto: EPA

Geschäft ist Geschäft: Weniger Boote, mehr Flüchtlinge pro Schiff.

rom. (VN) Die Flüchtlingswelle über das Mittelmeer lässt nach. Dies sei unter anderem darauf zurückzuführen, dass aufgrund des verstärkten EU-Einsatzes gegen Schlepperbanden im Mittelmeer den Schleppern verfügbare Schiffe ausgehen, berichtete der italienische Kommandant der EU-Mission „Sophia“, Enrico Credendino, am Donnerstag. Dadurch habe sich die Flüchtlingswelle verstärkt auf die Balkanroute verlagert.

Teuer und gefährlich

Die aus Libyen abfahrenden Migranten würden zuletzt verstärkt in Schlauchboote chinesischer Produktion gedrängt. Diese seien von schlechtester Qualität und daher gefährlich, berichtete der Admiral. Ein Schlauchboot würde den Schleppern pro Reise circa 70.000 Euro einbringen, ein Holzschiff mit rund 400 Menschen an Bord etwa 400.000 Euro. Die Holzschiffe würden außerhalb Libyens, mehrheitlich in Tunesien und in Ägypten, hergestellt. „Es gibt nur noch wenige davon. Daher versuchen die Schlepper, sie zurückzuholen“, betonte Credendino.

Die Reise von Libyen nach Italien koste jeden Flüchtling an Bord eines Schlauchbootes 1000 Euro, an Bord eines Holzschiffes bis zu 3500 Euro, da diese sicherer seien. Die Zahl der Menschen, die von den Schleppern an Bord der Boote genommen würden, habe zugenommen. Zählte man bis vor Kurzem noch 80 Menschen an Bord eines Schlauchbootes, so stieg diese Zahl zuletzt auf 120 Personen. Die Zahl der Menschen an Bord der sichereren Holzschiffe habe sich unterdessen von 200 auf 400 verdoppelt. „Der Menschenhandel ist sehr rentabel“, sagte der Admiral.