Drohendes Aufbrechen einer roten Hochburg

09.10.2015 • 20:01 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Vassilakou (Grüne, v. l.), Strache (FPÖ), Häupl(SPÖ), Juraczka (ÖVP) und Meinl-Reisinger (Neos) stellen sich am Sonntag zur Wahl. Foto: APA
Vassilakou (Grüne, v. l.), Strache (FPÖ), Häupl(SPÖ), Juraczka (ÖVP) und Meinl-Reisinger (Neos) stellen sich am Sonntag zur Wahl. Foto: APA

SPÖ, Grüne und ÖVP müssen Rückschläge mit Folgen fürchten. FPÖ steht vor Triumph.

Wien. Der Kampf zwischen SPÖ und FPÖ hat sich in Wien zugespitzt – durch die Medien, die Parteien selbst aber auch angesichts der letzten Umfragewerte. Entschieden ist aber noch nichts. Die Wähler haben am Sonntag in der Bundeshauptstadt das letzte Wort. „Dass es starke Wählerbewegungen geben wird, ist evident. Eine Schätzung, wie groß der Abstand zwischen SPÖ und FPÖ sein wird, wäre aber heute nicht seriös“, erklärt der Politologe Fritz Plasser (67) im VN-Gespräch. Selbstverständlich habe die Flüchtlingssituation im Wahlkampf eine entscheidende Rolle gespielt. „Sie erklärt aber nicht alles. Es geht sehrwohl um landesspezifische Thmen, Erwartungen und Protesthaltungen, die in die Wahlentscheidung einfließen“, sagt Plasser. Das habe auch die Analyse der Oberösterreich-Wahl gezeigt.

Die Wiener SPÖ wird vermutlich unter die 40-Prozent-Marke fallen. Ein Blick auf die Bezirke und einzelne Wahlsprengel wird das rote Herz noch stärker bluten lassen. Die Landkarte mit ihren 23 Bezirken wird in Wien weniger rot sein und nach der Wahl ganz anders aussehen, hält Plasser fest. Bitter werde es für die SPÖ, wenn sie Teile ihrer Wähler in den Gemeindebauten verliert. Das zeichne sich ab. „Da sind wir bei den tatsächlichen Hochburgen des roten Wiens und der Sozialdemokratie.“

Die Verluste werden in der SPÖ große Nachdenklichkeit auslösen, auch über die Kommunikation mit ihrer traditionellen Wählerschaft. Personelle Wechsel seien nicht auszuschließen, wären aber zum jetzigen Zeitpunkt hochgradige Spekulation. Gleiches gilt für die ÖVP, der bei der Wahl am Sonntag ihr schlechtestes Ergebnis in der Geschichte der Zweiten Republik droht.

Grüne zittern um Koalition

Einen Rückschlag könnten auch die Grünen erleben, sollte sich eine Koalition mit der SPÖ rechnerisch nicht mehr ausgehen. Umfragewerten zufolge liegen sie zwischen elf und 13 Prozent. Die Regierungsbeteiligung bei der Landtagswahl in Oberösterreich hat die Partei bereits verloren – und noch nicht ganz verarbeitet, wie Plasser glaubt. Ein weiterer solcher Verlust „wäre ein unglaublicher strategischer Rückschlag für die Grünen“. Schließlich seien sie auf Koalitionen fokussiert – mit dem „ultimativen Wunsch“, endlich auch auf Bundesebene zu reüssieren.

Das Duell um das Rathaus hat sich zugespitzt. Foto: APA
Das Duell um das Rathaus hat sich zugespitzt. Foto: APA