Ein Triumph, der keiner ist

Politik / 11.10.2015 • 23:23 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Nicht so schlimm, dieses Wahlergebnis. Besser als erwartet. Kein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der FPÖ. Kein Strache, der Häupl gefährlich wurde. Immerhin trennen die zwei vermeintlichen Duellanten von SPÖ und FPÖ nach dem Ergebnis ohne Wahlkarten vorläufig über sieben Prozentpunkte: Es sind am Sonntag die Verlierer, die sich in Wien als Sieger verkaufen. Die dortigen Regierungsparteien SPÖ und Grüne haben verloren. Rein rechnerisch können sie ihre Koalition aber fortführen, was sie vermutlich auch tun werden.

Häupls Strategie ist aufgegangen. Wie Strache die Flüchtlingslage als Gefahr für Österreich hochstilisierte, hat Häupl eben den FPÖ-Chef als Bedrohung dargestellt – und sich gleichzeitig in der Flüchtlingsfrage klar vom blauen Kurs distanziert. Dass der Bürgermeister mit dieser Strategie 39,5 Prozent erreichen kann, hat aber niemand erwartet. Doch „Wahlkampf ist Zeit fokussierter Unintelligenz“, sagte der Bürgermeister einst. Emotionen laufen besser als stadtpolitische Themen.

Jetzt ist Häupl mit einem blauen Auge davongekommen. Auf der überschaubaren Niederlage kann er sich aber nicht ausruhen. Mit Simmering haben die Roten etwa einen ihrer traditionellen Bezirke an die FPÖ verloren. Insgesamt haben sich laut dem Sozialforschungsinstitut SORA zudem 53 Prozent der wählenden Arbeiter für die FPÖ entschieden. Für die SPÖ stimmten in ihrer Kernwählerschicht nur 31 Prozent. In den historischen Hochburgen, den Gemeindebauten, hat die Sozialdemokratie mit 42 Prozent ihren ersten Platz verloren. Die Freiheitlichen räumten hier mit 49 Prozent ab. Die Kommunikation mit ihrer traditionellen Wählerschaft ist der SPÖ offenbar abhanden gekommen. Viele fühlen sich mit ihren Sorgen und Ängsten alleingelassen. Diese reichen unter den FPÖ-Wählern von der Bewältigung der Flüchtlingssituation über die Kosten des alltäglichen Lebens bis hin zu Sicherheit und Kriminalität.

Die Sozialdemokratie wurde als aktuelle Kanzlerpartei in diesem Jahr überhaupt bei allen Wahlen zugunsten der FPÖ abgestraft. Ihr Niedergang geht weiter. Wenn sie diesen stoppen möchte, muss sich die SPÖ nicht nur in Wien, sondern auch auf Bundesebene reformieren oder gar neu erfinden.

Jetzt ist Michael Häupl mit einem blauen Auge davongekommen.

birgit.entner@vorarlbergernachrichten.at, 01/3177834-11