Terror in Ankara wirkt sich auf Neuwahlen aus

12.10.2015 • 20:26 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Hunderte trauernde Angehörige trugen am Montag in Ankara die Opfer des Anschlags zu Grabe.  Foto: EPA
Hunderte trauernde Angehörige trugen am Montag in Ankara die Opfer des Anschlags zu Grabe. Foto: EPA

Kurdenpartei will Wahlkampfaktionen aus Angst absagen. Militär bombardiert PKK.

ankara. (VN) Nach dem Terroranschlag von Ankara konzentrieren sich die Ermittlungen nach Angaben des türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu auf die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Davutoglu nannte am Montag aber erneut auch die verbotene Kurdische Arbeiterpartei PKK und die linksextreme Terrorgruppe DHKP-C als mögliche Urheber. Bei dem Anschlag am Samstag wurden nach jüngsten Regierungangaben mindestens 97 Menschen getötet und mehr als 500 verletzt. Andere Quellen gehen von etwa 130 Toten aus. Zwei Sprengsätze waren bei einer mehrheitlich von Kurden besuchten Friedensdemo gezündet worden.

Kurz vor Identifizierung

Die türkischen Ermittler stünden laut Davutoglu kurz vor der Identifizierung eines der beiden Selbstmordattentäter. Die in Ankara verwendeten Sprengsätze glichen jener Bombe, mit der ein Selbstmordattentäter im Juli mehr als 30 Menschen in Suruc an der syrischen Grenze getötet hatte und für den die Regierung den IS verantwortlich macht. Laut Medien betrachtet die Polizei den Bruder des Attentäters von Suruc als Hauptverdächtigen für den Anschlag in Ankara.

Am Montag wurden unter großer Anteilnahme Dutzende Opfer des Terroranschlags bestattet. Andernorts demonstrierten Hunderte Kurden gegen die Regierung und Präsident Recep Tayyip Erdogan, die sie für die Anschläge mitverantwortlich machen. Die Polizei ging teils mit Gewalt dagegen vor.

Gleichzeitig flog die Luftwaffe erneute Angriffe in der Südosttürkei, tötete laut Militärangaben mindestens 17 PKK-Kämpfer. Die PKK hatte mitgeteilt, bis zur Neuwahl am 1. November auf Anschläge auf den Staat zu verzichten, wenn auch die Regierung keine Angriffe gegen die kurdische Bewegung ausführe. Ankara hatte abgelehnt.

Die pro-kurdische Partei HDP erwägt nun die Absage aller Wahlkampfveranstaltungen vor der Parlamentswahl am 1. November. Nach den Bombenanschlägen am Wochenende werde um die Sicherheit der Teilnehmer an den Kundgebungen gefürchtet, sagte HDP-Sprecher Ayhan Bilgen am Montag. Innenminister Selami Altinok erklärte indes, man habe die Lektionen aus den Attentaten gelernt, werde die Sicherheitsmaßnahmen verschärfen. Details nannte er nicht.

Angst vor dem Überschwappen

Der Vorsitzende der deutschen Innenministerkonferenz, Roger Lewentz, hat die in Deutschland lebenden Türken und Kurden aufgerufen, den Konflikt nicht nach Deutschland zu tragen.

Bei Protesten gegen die Regierung ging die türkische Polizei am Montag mit Wasserwerfern und Tränengas gegen die Demonstranten vor.  RTS
Bei Protesten gegen die Regierung ging die türkische Polizei am Montag mit Wasserwerfern und Tränengas gegen die Demonstranten vor.  RTS