Ein Ruck nach rechts

18.10.2015 • 20:36 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
In der Ortschaft Obersaxen Meierhof im Kanton Graubünden standen Wahlurnen im Freien. Foto: EPA
In der Ortschaft Obersaxen Meierhof im Kanton Graubünden standen Wahlurnen im Freien. Foto: EPA

Schweizer wählten neues Parlament. Rechtspopulistische SVP schafft Rekord­ergebnis.

bern. Mit ihren Forderungen nach einer deutlichen Verschärfung des Asylrechts und größerer Distanz zur EU hat die rechtsnationale Volkspartei SVP die Parlamentswahlen in der Schweiz klar gewonnen. Sie soll rund ein Drittel der 200 Nationalratssitze gewonnen haben.

Gut fünf Millionen Schweizer waren am Sonntag aufgerufen, ein neues Parlament zu wählen. Abgestimmt wurde über 200 Abgeordnete des Nationalrats, der großen Kammer des Parlaments, sowie 45 der 46 Vertreter der 26 Kantone im Ständerat.

Nach einer Teilauszählung der Stimmen kommt die SVP laut Prognosen auf 64 Sitze, wie die Nachrichtenagentur SDA am Sonntagabend meldete. Damit baut die SVP, deren bisheriges Rekordergebnis 62 Sitze bei den Wahlen im Jahr 2007 war, ihre Führungsposition weiter aus. Zuletzt – nach der Wahl 2011 – stellte die SVP 54 Nationalräte.

Als zweitstärkste Kraft konnten sich den Hochrechnungen zufolge die Sozialdemokraten (SP) behaupten, die für eine gemäßigte Asylreform und eine engere Kooperation mit der Europäischen Union geworben hatten. Zugelegt hat die SP unter anderem in den Kantonen Zürich und Luzern.

Zuwächse in einigen Kantonen konnte auch die rechtsliberale FDP (Freisinnig-Demokratische Partei) verbuchen. Die Christdemokraten (CVP) mussten Einbußen hinnehmen, auch kleinere Mitte-Parteien verloren Stimmen. So sprachen Politikforscher in ersten Analysen von einer Machtverschiebung von Mitte-Links nach Mitte-Rechts.

Blocher-Tochter im Nationalrat

Für die SVP zieht nun erstmals die Unternehmerin Magdalena Martullo-Blocher neu in den Nationalrat ein. Sie ist die Tochter des SVP-Chefs und Ex-Justiz- und Innenministers Christoph Blocher. Im Kanton Graubünden eroberte sie einen zweiten Sitz für die Nationalkonservativen.

Ein Abgeordnetenmandat gewann offenbar auch der SVP-Quereinsteiger und Chefredakteur des politischen Magazins „Weltwoche“, Roger Köppel. Der einstige Chefredakteur der deutschen Tageszeitung „Die Welt“ (2004 bis 2006) war erst kürzlich der SVP beigetreten und gilt vielen bereits als ihr neuer „Chefideologe“ in Blochers Fußstapfen.