Mit Messer, Feuer oder Amokauto

18.10.2015 • 20:36 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die dritte Intifada ist in vollem Gang. Foto: EPA
Die dritte Intifada ist in vollem Gang. Foto: EPA

Die dritte Palästina-Intifada verrät die Handschrift des IS.

gaza. (Gstrein) In Arabisch-Palästina tobt auch an diesem Wochenende die Dritte Intifada. War der erste Aufstand junger arabischer Steinschleuderer von 1987 bis 1990 noch relativ harmlos, so kamen bei der Zweiten Intifada um die Jahrtausendwende schon Schusswaffen und Eigenbauraketen zum Einsatz. Als Folge davon wurde der Gazastreifen für die Israelis unregierbar. Sie überließen ihn seinem Schicksal. So konnte dort die radikal-islamische Hamas die Macht ergreifen. Im Winterkrieg von 2008/09 und zuletzt im Sommer 2014 versuchten die Islamisten aus ihrer Blockade auszubrechen und den Kampf aufs übrige Arabisch-Palästina auszuweiten: vergeblich! Doch breitet sich inzwischen dort eine Gewaltwelle aus, die nichts mit Hamas und schon gar nichts mit dem müd-matten Autonomiechef Mahmud Abbas und seiner Fatah zu tun hat.

Es handelt sich um unberechenbare Einzeltäter, die plötzlich mit einem Messer zustoßen, Hämmer und Äxte schwingen, oder das eigene Fahrzeug in wilder Amokfahrt zur Mordwaffe machen. Das ist weder die Handschrift der klassischen Terror-Palästinenser, noch der Hamas. Hier findet die Botschaft der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) von „Spontanen Einzelkämpfern des günstigen Augenblicks und der gerade greifbaren Waffe“ eifrig Gehör. Sogar Mädchen lassen sich davon hinreißen. Dieser „Individualterror“ statt geplanter Anschläge wird auch anderswo virulent, wie sogar mitten in Europa die Mordfahrt eines Bosniaken in Graz am 20. Juni oder eben das Niederstechen einer Kölner Bürgermeisterkandidatin zeigen. Wobei dort ein Nachahmungstäter mit anderem religiös-pathologischen Hintergrund am Werk war.

Die besonders rasche und starke Ausbreitung des Alleingang-Terrors unter den Palästina-Arabern wird durch fanatische Gewaltbereitschaft ultra-orthodoxer Juden und rücksichtsloser Siedler beschleunigt. Schließlich war das Verbrennen einer ganzen Palästinenserfamilie, die Kleinkinder inbegriffen, bei lebendigem Leib durch jüdische Eiferer erst der Anlass für diese Dritte Intifada. Und bei der immer nervöseren Polizei und Armee, die nicht wissen können, woher die nächsten Dolche aufblitzen, sitzen die Kugeln auch ziemlich locker im Lauf.

Heiligtümer abgefackelt

Das Abfackeln des legendären Grabes des biblischen Joseph in Nablus gilt als weiteres Indiz für IS-Hintergründe der neuen Intifada. Wenn Israelis und Palästina-Muslime bisher in fast 70 Kampfjahren etwas geachtet hatten, waren es die religiösen Heiligtümer des Gegners. Der Islamische Staat lehnt aber gerade jede Gräberverehrung ab, ob sie nun jüdisch oder auch islamisch ist.

Eine internationale Schutztruppe für Alt-Jerusalem und die anderen heiligen Stätten würde die Lage auch nicht verbessern. Dann bekämen nur muslimische und jüdische Terroristen ein drittes Opfer, an dem sie sich austoben könnten.