Parteien rüsten fürs Rennen um die Hofburg

Politik / 18.10.2015 • 22:37 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

Wer kandidiert fürs Präsidentenamt? In der Gerüchteküche brodeln mehrere Namen. 

wien. (VN-fei) Zwar sind die Bundesparteien noch mit den Ergebnissen der vergangenen Wien-Wahl beschäftigt, schon bald aber müssen sie sich für das nächste politische Rennen rüsten: jenes um die Hofburg. Die zweite und damit letzte Amtszeit von Bundespräsident Heinz Fischer (77) läuft kommendes Jahr aus, für die Wahl seines Nachfolgers im kommenden Frühjahr werden die Parteien noch heuer ihre Kandidaten nominieren.

Etliche Namen wurden bereits kolportiert, offiziell bestätigt wurde noch keiner. Wie den VN jedoch mehrfach aus der ÖVP-Bundesparteileitung bestätigt wurde, wollen die Schwarzen den niederösterreichischen Langzeitlandeshauptmann Erwin Pröll (68) ins Rennen um die Hofburg schicken. Und es scheint in der Parteizentrale auch schon ausgemachte Sache zu sein, wer Pröll dann in Niederösterreich beerben soll: seine politische Ziehtochter und jetzige Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (51).

Damit könnte die frühere niederösterreichische Landesrätin, die aktuell auch geschäftsführende Bundesobfrau des ÖAAB ist, ihr Gesicht wahren bei der Aufgabe ihrer Ressortverantwortung – als Innenministerin steht sie angesichts der Flüchtlingskrise seit Monaten im Kreuzfeuer der Kritik. Auch parteiintern. Diese mögliche Rochade hat aber einen kleinen Haken: Der in Niederösterreich besonders starke Bauernbund hat mit Landesrat Stephan Pernkopf (43) ebenfalls einen potenziellen Pröll-Nachfolger an der Hand.

Als wahrscheinlichster Kandidat der Sozialdemokraten wird derzeit Sozialminister Rudolf Hundstorfer genannt. Dass er mit 64 Jahren noch lange nicht an eine Pensionierung denke, gestand er zwar im Gespräch mit den VN ein, und dass ihn seine politische Karriere im kommenden Jahr noch in die Hofburg tragen könnte, wollte der Ressortchef ebenfalls nicht ausschließen, doch stelle sich diese Frage jetzt nicht. Dennoch will die SPÖ ebenfalls noch vor Weihnachten ihren Kandidaten benennen. Über eine mögliche Nachfolge Hundstorfers in der Bundesregierung – so er denn tatsächlich als roter Kandidat ins Rennen geschickt wird – wurde noch nichts bekannt.

Die Grünen haben sich, wie Bundessprecherin Eva Glawischnig (46) den VN bestätigte, längst auf Alexander Van der Bellen (71) als ihren Präsidentschaftskandidaten eingeschossen, machen dies jedoch von seinen potenziellen Chancen bei der Wahl abhängig. Und die FPÖ will dem Vernehmen nach den Präsidenten des Rechnungshofs, Josef Moser (60), ins Rennen um die Hofburg schicken.

Hartnäckig in der Gerüchteküche brodelt auch der Name der 69-jährigen ehemaligen Präsidentin des Obersten Gerichtshofs und Leiterin der Hypo-Untersuchungskommission, Irmgard Griss. Ausschließen will sie eine Kandidatur zwar nicht, sie würde aber erst dann ernsthaft darüber nachdenken, wenn sich SPÖ und ÖVP gemeinsam auf sie als unabhängige Kandidatin einigen würden. Das ist zwar nicht ausgeschlossen, aber doch sehr unwahrscheinlich.

Auch wenn noch kein einziger Präsidentschaftskandidat definitiv feststeht, haben die Austria Presse Agentur (APA) und das Meinungsforschungsinstitut OGM bereits die chancenreichsten Anwärter auf den mit mehr als 23.000 Euro brutto im Monat vergüteten Job abfragen lassen. 500 Personen gaben ihre Einschätzung ab, wem man vertrauen kann.

Griss vertrauenswürdig

Platz eins kassierte dabei Irmgard Griss. Ihr Vertrauenswert von plus 24 ist aber mit ein wenig Vorsicht zu genießen. Denn sie hat einen deutlich geringeren Bekanntheitsgrad als die meisten anderen Bewerber. So gaben bei ihr nur 34 Prozent der Befragten eine Einschätzung ab. Zum Vergleich: Zu Hundstorfer hatten 87 Prozent eine Meinung.

Ebenfalls gut im Rennen liegt der frühere Bundessprecher der Grünen, Van der Bellen. Er weist einen positiven Vertrauenssaldo von 19 auf, und das bei hohem Bekanntheitsgrad. Platz drei geht an Rechnungshofpräsident Moser. Sein Plus von 13 ist aber wie der Wert für Griss mit Einschränkungen versehen. Denn auch zu ihm haben nur 35 Prozent eine Meinung.

Hundstorfer vor Pröll

Im rot-schwarzen Duell hat im Vertrauensindex Hundstorfer knapp die Nase vorne. Mit plus elf rangiert er zwei Punkte vor Pröll. Sollte Pröll doch nicht wollen, kämen vielleicht Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer (65) oder Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl (66) für die Volkspartei in Frage.

Pühringer ist mit plus 13 sogar besser angeschrieben als Pröll, Leitl mit plus drei schlechter.

Und noch eines stellt die jüngste Umfrage fest: Keiner der potenziellen Anwärter kommt auch nur annähernd an die Werte von Amtsinhaber Heinz Fischer heran. Sein Saldo lag zuletzt bei plus 53.

Heinz Fischers letzte Amtszeit als Bundespräsident läuft aus.  VN
Heinz Fischers letzte Amtszeit als Bundespräsident läuft aus. VN
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