Ein Treffen unter Tränen an der koreanischen Grenze

Politik / 20.10.2015 • 23:11 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Begleitet von seiner Nichte traf der Südkoreaner Min Ho-shik (84) erstmals seit Jahren seine Schwester Min Eun Shik (81) aus dem Norden. RTS
Begleitet von seiner Nichte traf der Südkoreaner Min Ho-shik (84) erstmals seit Jahren seine Schwester Min Eun Shik (81) aus dem Norden. RTS

Familienzusammenführung zwischen
Süd- und Nordkorea.

Seoul, pjöngjang. (VN) Nach mehr als einjähriger Unterbrechung dürfen sich seit Dienstag wieder jahrzehntelang getrennte Koreaner aus Nord und Süd drei Tage lang treffen. Rund 390 meist hochbetagte Südkoreaner reisten in das nordkoreanische Touristengebiet am Diamantenberg, um mit 140 nordkoreanischen Verwandten zusammenzukommen.

Es handelt sich um die ersten derartigen Zusammenführungen seit Februar 2014. Insgesamt gab es seit 2000 etwa 20 solcher Treffen. Die Zusammenführungen sind Teil der innerkoreanischen Annäherung seit 15 Jahren. 19.000 Koreaner haben sich seitdem persönlich wiedersehen dürfen, 4000 weitere in Videokonferenzen.

Geteilt seit dem Jahr 1953

Die koreanische Halbinsel ist seit dem Ende des Korea-Kriegs 1953 geteilt. Das völlig abgeschottete Nordkorea wird kommunistisch geführt und gilt als einer der am schwersten zugänglichen Staaten der Erde. Südkorea ist dem westlichen Beispiel gefolgt und wird demokratisch regiert. Deshalb haben die getrennten Familien kaum Möglichkeiten zum Kontakt.

Pjöngjang hatte zuletzt mit der Absage des Treffens gedroht. Das zuständige Komitee warf der südkoreanischen Präsidentin Park Geun Hye vor, in einer Rede bei der UNO provokante Bemerkungen gegen Nordkorea gemacht zu haben. Letztlich lenkte das Land aber ein.

Die Familientreffen sind hoch emotional und tränenreich, die meisten südkoreanischen Bewerber um einen Platz sind sehr alt und wünschen sich, vor ihrem Tod noch einmal ihre Verwandten zu sehen. Fast die Hälfte der 130.410 Südkoreaner, die bisher eine Zusammenführung beantragten, ist inzwischen verstorben. Viele Südkoreaner bringen den armen Verwandten im Norden warme Kleidung, Medikamente und Geld mit. Für einige ist es das erste Wiedersehen seit 1953.

Los und Loyalität entscheiden

Die Familien werden von Südkorea in einem computerisierten Losverfahren ausgewählt, im Norden werden sie nach Loyalität gegenüber der kommunistischen Partei bestimmt. Am Samstag beginnt eine zweite Runde der Familientreffen.

Begleitet von seiner Nichte traf der Südkoreaner Min Ho-shik (84) erstmals seit Jahren seine Schwester Min Eun Shik (81) aus dem Norden. RTS
Begleitet von seiner Nichte traf der Südkoreaner Min Ho-shik (84) erstmals seit Jahren seine Schwester Min Eun Shik (81) aus dem Norden. RTS